"Kein zentrales Projekt ist gefährdet"

27. Februar 2009, 17:56
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Kultursponsoring in Österreich: In der Regel werden nur bestehende Partnerschaften weitergeführt - Die Volksoper, das Mumok, die Vereinigten Bühnen Wien und das Zoom Kindermuseum fanden dennoch neue Sponsoren

Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, hat dieser Tage eine "Künstlerpetition gegen den Kunstaderlass" initiiert. Die Regierung wird aufgefordert, die Ausgaben für die Kunst "dramatisch zu erhöhen" . Denn die Wirtschaftskrise träfe die Künstler besonders hart. Noever: "Unternehmen planen beim Kunstsponsoring massive Einsparungen."

Die Frage, welche Unternehmen "massive Einsparungen" planen, konnte MAK-Pressesprecherin Monika Meryn nicht beantworten. Aber sie beruhigte: Ihr Haus sei nicht betroffen. Der Verbund übernehme weiterhin die Kosten für die Eintrittskarten am Samstag, was zu Folge hat, dass die Besucher gratis ins Museum gehen können.

Auch bei anderen Bundesmuseen weiß man nichts von konkreten Plänen der Wirtschaft, das Kunstsponsoring massiv zurückfahren zu wollen. Wolfgang Schreiner, Abteilungsleiter Sponsoring im Mumok, sagt: "Wir haben eine Reihe mittlerer Sponsoren - darunter das Dorotheum, Uniqa und die Erste Stiftung - und die halten. Es wird sogar ein neuer Projektsponsor hinzukommen, wir stehen kurz vor dem Vertragsabschluss." Ähnlich die Situation im Kunsthistorischen Museum: Als neuer Sponsor für 2009 konnte Japan Tobacco gewonnen werden, Uniqa bleibe längerfristig ein wichtiger Partner. Agnes Husslein, Chefin des Belvedere, räumt ein, dass es zwar schwieriger werde, neue Sponsoren zu finden, entgegen den Gerüchten erfülle die Constantia Privatbank aber ihren bis Ende 2009 laufenden Sponsorvertrag.

Wo also brechen die Sponsoren weg? Vielleicht bei den Bühnen? Ioan Holender, der Staatsoperndirektor, bleibt gelassen: Der Dreijahresvertrag mit Lexus laufe über das Ende seiner Amtszeit (Sommer 2010) hinaus - und es gäbe keine Anzeichen, dass der Automobilhersteller sich zurückziehen wolle. Am Opernball sei nichts von einer Krise spürbar gewesen: Die Einnahmen lagen um 60.000 Euro gegenüber jenen des Jahres 2008.

Zufrieden ist auch Christoph Ladstätter, kaufmännischer Chef der Volksoper: "Bei uns gibt es bisher keine Auswirkungen der Krise. Der Februar ist die schwerste Zeit, trotzdem haben wir eine Auslastung von 85 Prozent. Wir liegen damit über den Vorjahreszahlen."

Angesichts der positiven Stimmung unter Direktor Robert Meyer gäbe es reges Interesse an Kooperationen. Raiffeisen ist Sponsor für Guys and Dolls (Premiere am Sonntag), mit Almdudler wurde gerade ein Vertrag abgeschlossen. Die Vertragsverlängerung mit VW stehe an, die Signale seien positiv, sagt Ladstätter: "Momentan muss ich mir noch keine Sorgen machen."

"Unfreundliche Gesetzgebung"

Natürlich sei es schwierig, Sponsoren zu gewinnen, meint Thomas Drozda, Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien. Auch wegen der "sponsorenunfreundlichen Gesetzgebung " . Dennoch seien neue Kooperationen abgeschlossen worden - darunter mit Skoda, Mobilkom Austria und Palmers. Erhalten blieben zudem die jahrelangen Partnerschaften mit Agrana, der Wiener Städtischen und den Austrian Airlines. Die schwer defizitäre Fluglinie hat ihr Engagement sogar verdoppelt: Die Kooperation erstreckt sich nun nicht nur auf den Musical-Bereich, sondern auch auf die Oper im Theater an der Wien. Geld aber fließt keines: Die VBW bekommen nur Flugtickets.

Nicht einmal beim (kleinen) Schauspielhaus Wien macht man sich Sorgen: Geschäftsführer Richard Schweitzer ist überzeugt, dass Novomatic auch über das Jahr 2009 hinaus Sponsor bleibt.

Wird die Situation von der Wirtschaft anders beurteilt? Gegenüber dem Standard gesteht kein Unternehmen ein, "massive Einsparungen" vornehmen zu wollen. Norbert Heller, Pressesprecher der Uniqa, sagt: "Wir sind der größte Kunstversicherer in Österreich, wir werden daher unsere Kooperationen mit Museen fortsetzen." Es sei nicht geplant, die Aktivitäten zurückzufahren. Allerdings: "Wir sind keine Mäzene, Sponsoring beruht auf Leistung und Gegenleistung." Es sei daher logisch, Kooperationen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. "Und in Zeiten wie diesen prüft man genauer."

"Geruch der Straffälligkeit"

Konkret fragt man sich, ob es sinnvoll ist, weiterhin einer der fünf Hauptsponsoren der Salzburger Festspiele zu sein, wenn man aufgrund des Antikorruptionsgesetzes keine Gästen und Kunden einladen dürfe: "Wir wollen nicht in den Geruch der Straffälligkeit kommen." Auch Siemens überlegt einen Ausstieg. Aber das hat nichts mit der Finanzkrise zu tun. Und beschlossen ist noch nichts: Die Justizministerin habe eine Überprüfung versprochen, so Norbert Heller. "Wir warten also einmal ab."

Selbst Philipp List, Leiter des Sponsorings der Erste Bank, bezeichnet die Situation als "ziemlich stabil" . Es stünden über zwei Millionen Euro zur Verfügung, marginal weniger als letztes Jahr, man habe vor allem die Kosten für die Agenturen reduziert. "Wir wollen nicht das zwölfte Logo von links sein, sondern wirklich etwas ermöglichen." Daher gehe man eine Partnerschaft mit dem Kindermuseum Zoom ein: "Wir werden wirklich zusammenarbeiten."

Die Kooperationen mit der Viennale, der Viennafair und anderen bleiben bestehen, die Secession bekommt sogar die Inflation abgegolten. Andras Palffy, der Präsident der Künstlervereinigung, ist voll des Lobes: "Das ist eine wirkliche Partnerschaft!" Den Stellenwert drückt er in Zahlen aus: Wien steuert 19,6 Prozent des Gesamtbudgets bei, der Bund nur 13,9 Prozent - und die Erste Bank 17 Prozent.

In einer eher schwierigen Situation befindet sich Boris Marte von der Erste Stiftung. Die Stiftung ist Haupteigentümerin der Erste Bank (sie besitzt 31 Prozent) - und "lebt" daher von den Dividenden. Wie hoch diese für das vergangene Geschäftsjahr ausfallen, sei noch nicht bekannt, sagt Marte. "Das Wachstum der letzten zwei Jahre werden wir natürlich nicht halten können, aber keines der zentralen Projekte ist gefährdet." Die Erste Stiftung ist vor allem im Sozialbereich aktiv, rund ein Viertel des Budgets (es betrug 2008 gerüchteweise sechs bis acht Millionen Euro) wird für Kulturprojekte verwendet. Eine Prognose verweigert Marte. Nur so viel: "Es ist nicht die Zeit, Neues zu beginnen."

Ähnlich denkt man bei der Bank Austria: "Aber bestehende Partnerschaften werden im bisherigen Umfang fortgeführt", sagt Katja Erlach, zuständig für das Sponsoring. Dazu zählen die Ö1-Talentebörse, die Jeunesse und das Kunstforum.

"Die bestehenden Partnerschaften bleiben vorerst", versichert man auch in der Kommunalkredit. Es gibt ohnedies nur eine: mit der Albertina. Wie es weitergehen werde, wisse man nicht: Das Sponsoring sei ob der schwierigen Lage "nicht Priorität 1 des Vorstands".

Sollte die Kommunalkredit tatsächlich zahlen: Klaus Albrecht Schröder, den Direktor der Albertina, würde es freuen. "Ich hoffe auf Vertragstreue" , sagt er. Seine Situation ist eher katastrophal: Er beklagt "einen Totalausfall" der Mäzene aus den USA. "Die Uniqa und die Wiener Städtische haben uns ein wenig geholfen, aber den Verlust von zwei Millionen Euro können sie nicht ausgleichen."

Einen neuen Großsponsor konnte Schröder bisher nicht auftreiben. Seine Hoffnungen ruhen auf Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ). Schließlich war für die Albertina (unabhängig von der Finanzkrise) ein Mehrbedarf von 3,3 Millionen Euro ermittelt worden. Doch Mehrbedarf gibt es überall: bei allen Bundesmuseen (insgesamt 20 Millionen Euro), bei den Bundestheatern (ebenfalls 20 Millionen) und auch beim Film. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/ Printausgabe, 28.02/01.03.2008)

  • Direktor Robert Meyer wirbt für Volksoper-Sponsor VW. Und viele Firmen fahren auf Kunst-Werbung ab.
    foto: volksoper/vw, montage: beigelbeck

    Direktor Robert Meyer wirbt für Volksoper-Sponsor VW. Und viele Firmen fahren auf Kunst-Werbung ab.

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