Übersinnlicher Schwindler mit Charme und Renitenz

27. Februar 2009, 18:01
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Unaufgeregt und gerade deshalb unterhaltsam: ORF und Sat 1 vertrauen ab Sonntag dem von Simon Barker gespielten Hochstapler

Besserwisser mag eigentlich keiner. Vor allem, wenn sie sich nicht an die Spielregeln halten - was Serienheld Patrick Jane (Simon Barker) ganz prinzipiell nicht vorhat.
Sein Glück, dass er in The Mentalist selbst die härtesten Fälle der kalifornischen Polizeiermittler mit seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe knackt. Während seine Kollegen (allen voran Robin Tunney) noch zwischen Bewunderung und Genervtheit ob seiner unkonventionellen Methoden schwanken, zeigen die Daumen des US-Publikums klar nach oben.

Die Pilot-Episode "Red John" , fesselte in den USA mehr als 15 Millionen Zuseher an den Bildschirm. Die erste Staffel war ein Glücksfall für den krisengebeutelten Auftraggeber CBS. Denn die CSI-Serien, die bisherigen Garanten für hohe Einschaltqoten beim US-Senderkonzern, hatten stark unter dem letztjährigen Streik der Drehbuchautoren zu leiden und gelten bei US-Kritikern bereits als etwas ausgereizt.

Leichtfüßig und unterhaltsam

Das bewährte TV-Konzept "Charismatischer Sonderling wirbelt durch klassisches Krimi-Setting" ist nicht neu, wirkt mit dem wandelbaren Hauptdarsteller Baker aber leichtfüßig und unterhaltsam. Der Australier gilt seit seiner Golden-Globe-Nominierung 2002 - für die Rolle des Nick Fallin in der TV-Serie The Guardian - als beliebter TV- und Kinoschauspieler (am 1. 3. auch in Der Teufel trägt Prada, s. u.).

Mehr Smart Guy als Monk'scher Neurotiker wirft der von Baker gespielte Profiler bei der Tatortbegehung schon nach Sekunden mit Anschuldigungen um sich, verdächtigt Menschen gegen jede Beweislast, stellt privateste Gedanken bloß, greift renitent Autoritäten an - und bleibt dabei sympathisch!

Erinnerungen an Mulder und Scully

Angetrieben wird der "Mentalist" durch einen Schicksalsschlag: Als Trickbetrüger gaukelte er in TV-Shows übersinnliche Fähigkeiten vor. Bereits als Profiler tätig, vergrätzte er durch ein arrogantes Interview den "Red John" genannten Serienkiller, der darauf grausame Rache nahm. Ab diesem Zeitpunkt negiert Jane jede übernatürliche Fähigkeit und setzt sein Talent, seine perfekte Beobachtungsgabe, zur Verbrecherjagd ein. Seine Partner, die kalifornischen Sonderermittler vom CBI, sorgen auch in der deutschen Synchronfassung mit pointierten Dialogen für Würze in den Nebenplots, die teils an Mulder und Scully von Akte X erinnern.

Nicht verwunderlich, denn Produzent Bruno Heller (Rome) assistierte auch David Nutter, der an der Mystery-Serie mitarbeitete. So knirscht und knistert es auch zwischen der etwas eisigen Chefermittlerin Teresa Lisbon (Tunney) und dem Mentalisten.

Die Erwartungen an beide sind hoch, CBS kündigte diese Woche seinen Aktionären mit, die vierteljährliche Gewinnausschüttung werde um 81 Prozent gekürzt.

Dass der ORF und die ProSiebenSat.1-Media-Gruppe ebenfalls auf eine satte Quote schielen, ist nur logisch. Einem spirituellen Berater, der für diese sorgt, dürfte also ein langes Serienleben winken. (Georg Horvath, DER STANDARD; Printausgabe, 28.2./1.3.2009) 

Serienstart am Sonntag auf Sat 1 (Folge 1, 21.15 Uhr), ORF 1 sendet ab 22.00 Uhr die zwei ersten Episoden ("Red John" , "Romeo u. Julia" )

  • Teresa Lisbon (Robin Tunney) und ihr Ermittlerteam staunen in der neuen US-Serie "The Mentalist" über die Fähigkeiten ihres Partners.
    foto: orf

    Teresa Lisbon (Robin Tunney) und ihr Ermittlerteam staunen in der neuen US-Serie "The Mentalist" über die Fähigkeiten ihres Partners.

  • Patrick Jane (Simon Baker) gibt den Gentleman-Rabauken:
Unkonventionell, aber gelassen löst er Kriminalfälle ohne Hokuspokus.
    foto: orf

    Patrick Jane (Simon Baker) gibt den Gentleman-Rabauken: Unkonventionell, aber gelassen löst er Kriminalfälle ohne Hokuspokus.

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