Im Zweifel für die Meisterschaft

27. Februar 2009, 17:54
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Ob New York, London, Paris oder Wien - Qualität bleibt krisensicher

Der Zeitpunkt könnte perfekter nicht sein: Mit der dieswöchigen Versteigerung der Sammlung Yves Saint Laurent & Pierre Bergé belehrte der Sekundärmarkt die wachsende Gemeinde der Pessimisten mit Bravour. 600 Besitzerwechsel bescherten einen neuen und ganz wesentlichen Rekord: Mitten in der wirtschaftlichen Rezession spielte Christie's mit 374 Millionen Euro den bislang höchsten jemals für eine Privatsammlung verbuchten Umsatz ein.

Die Erklärungen für diese beeindruckende Performance ist simpel: Die in fünf Jahrzehnten aufgebauten Sammlung war von tadelloser Güte, die allein am ersten Abend bewilligten Künstlerweltrekorde auch gerechtfertigt. Wie jener für Henri Matisse, dessen "Les Coucous" für 35,9 Millionen Euro zugeschlagen wurde; 1979 hatte dieses 1911 gemalte Stillleben in London 190.000 Pfund gebracht. Das höchstdotierte Kunstwerk war dabei unverkauft geblieben: Nur, Pablo Picassos auf 25 bis 30 Millionen taxiertes Instrument de musique scheiterte nicht aus Mangel an Interesse, sondern an dem von Bergé verordneten Limit, das jenseits von 21 Millionen gelegen sein dürfte.

Ein Trend ist aus diesem Rekordergebnis weniger abzuleiten, als es eine Bestätigung liefert: Kunst wird - ausgenommen Zeitgenössisches - wieder verstärkt als alternative Investitionsform gesehen. Und, Qualität bleibt das Hauptkriterium, wie auch die jüngsten Auktionen in den krisengeschüttelten Metropolen New York oder London belegen: Nennenswerte Einbußen bescherte nur die Sparte Zeitgenössische Kunst, während Alte Meister sowie Impressionisten und Moderne Kunst stark nachgefragt blieben. So ließ sich ein Bieter aus Asien Edgar Degas in Bronze gegossene "Balletteuse" bei Sotheby's stolze 13,25 Millionen Pfund (14,82 Mio Euro) kosten - der Verkäufer hatte für diese 1922 ausgeführte Version 2004 ebendort "nur" fünf Millionen Pfund bezahlt.

Die drei großen D

Ob der "Einbringer" - wie Verkäufer im Auktionsjargon genannt werden - damit nun Spekulationsschulden tilgt? Man weiß es nicht. Aber, derlei finanzielle Engpässe zählen neben Scheidungen und Todesfällen zu den kleinen, aber wesentlichen Motoren des Handels mit Kunst, weshalb sie international auch als die "fabulous 3D's" (Debts, Death & Divorce) geläufig sind.

Insofern sollten Auktionshäusern derzeit einen Ansturm erleben, tun sie allerdings nur bedingt: International herrscht Zurückhaltung, vor allem, weil die vermittelnden Auktionshäuser von der bis Oktober 2008 gängigen Praxis, Einbringern die Trennung von ihren Kunstwerken mit Preisgarantien zu versüßen, abgekommen sind.

In Österreich profitieren dem Vernehmen nach derzeit eher noch die Auslandsrepräsentanzen der Global Player Sotheby's und Christie's. Das Dorotheum - mit einem Auktionsumsatz von 108 Millionen Euro 2008 Marktführer in Österreich - verweigert dazu ausdrücklich eine Stellungnahme. Nur so viel, im Bereich des Pfandgeschäfts, einem der Standbeine des Unternehmens, sei gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007/2008 kein Zuwachs zu vermelden.

Notverkäufe? Davon kann auch Otto-Hans Ressler, Chef des ebenfalls in Wien angesiedelten Auktionshauses "im Kinsky" nicht berichten. Eher sei der Gegeneffekt eingetreten: Viele, die nicht müssen, behalten ihre Kunstwerke lieber. Unsicherheit sei dagegen bei Verkäufern zu spüren: Teils möchte man noch abwarten, aber andere haben - angeheizt durch die noch immer prasselnden Rekordmeldungen - zu große Erwartungen an den Auktionserlös.

"Wir sind momentan sehr damit beschäftigt, überzogene Einbringervorstellungen zu korrigieren", so Ressler, und das sei nicht immer einfach. Dabei würden günstige und für Interessenten verlockende Schätzwerte derzeit mit hohen Ansteigerungen belohnt. Beispielhaft dafür sei die diese Woche im Palais an der Freyung abgehaltene Auktion, rund 70 Prozent des Angebotes wechselte zum Gegenwert von 5,6 Millionen Euro den Besitzer. Der auf vermeintliche Schnäppchen hoffende Wiener Kunsthandel hatte kaum Chancen, sowohl bekannte Sammler als auch Private schnappten diesem die besten Stücke vor der Nase weg. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD/ Printausgabe, 28.02/01.03.2008)

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