"Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen"

27. Februar 2009, 17:55
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Am Samstag übernimmt Thorsten Schäfer-Gümbel die SPD in Hessen - Die frustrierte Partei will er mit vielen Gesprächen aus dem Tief führen, erklärt er im STANDARD-Interview

Mit ihm sprach Birgit Baumann.

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STANDARD: Ist die Ära Andrea Ypsilanti nun endgültig abgeschlossen?

Schäfer-Gümbel: Es fängt jetzt eine neue Zeit an, und jeder neue Vorsitzende prägt die Partei auch durch seinen eigenen Stil.

STANDARD: Welche Akzente wollen Sie künftig setzen?

Schäfer-Gümbel: Zunächst müssen wir Vertrauen zurückgewinnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Mitgliedern schaffen. Aber es geht nur mit einer hohen Präsenz und einer hohen Gesprächsdichte vor Ort. Ich selbst habe schon 22 der 26 hessischen SPD-Unterbezirke besucht und Gespräche geführt. Dabei versuche ich sehr offen über das vergangene Jahr zu reden. Wir sind in einer schwierigen Lage und dürfen nichts beschönigen.

STANDARD: Welche Stimmung erleben Sie dort? Immer noch großen Frust?

Schäfer-Gümbel: Es gibt natürlich Enttäuschung über das vergangene Jahr. Aber auch Hoffnung und vor allem Tat- und Willenskraft. Wir müssen wieder über Politik reden.

STANDARD: Wie lange wird es dauern, bis die SPDwieder auf Augenhöhe mit der CDU und Ministerpräsident Roland Koch ist?

Schäfer-Gümbel: 2014 wird es eine sozialdemokratisch geführte Landesregierung geben. Ab jetzt arbeiten wir auf dieses Ziel hin.

STANDARD: Was war rückblickend der größte Fehler im vergangenen Jahr?

Schäfer-Gümbel: Man kann es nicht an einem Punkt festmachen. Es gab Leute, die aus unterschiedlichen Gründen gesagt haben: Jetzt ist es aber mal gut. Die einen wollten nicht, dass wir uns der Linkspartei öffnen. Die anderen sagten, man hätte es vor der Wahl nicht ausschließen dürfen. Wieder andere bedauerten, dass die rot-grüne Regierungsbildung schief ging. Unterm Strich stand dann die Frage: Kann die Hessen-SPD eigentlich wirklich regieren?

STANDARD: Wie ist Ihr Verhältnis zur Linkspartei?

Schäfer-Gümbel: Sie ist weder natürlicher Bündnispartner noch mystifizierter Gegner, sondern, eine konkurrierende Organisation. Wir haben eine Strategie der inhaltlichen Auseinandersetzung begonnen, die ich intensivieren will. Diese bezieht aber auch FDP, Grüne und Union ein.

STANDARD: Die politischen Themen können Sie ja nicht alle auswechseln. Erschwert das den Neustart?

Schäfer-Gümbel: Eine Partei wie die Sozialdemokratie, die für Gerechtigkeit steht, kann niemals auf nur ein Thema setzen. Also bleiben wir bei mehr Bildungsgerechtigkeit, guter Arbeit und der Energiewende weg von der Atomkraft. Die Hessen-SPD wird sich auch in den Bundestags-Wahlkampf einbringen. Beim letzten Mal konnten wir mit dem Thema solidarische Bürgerversicherung im Gesundheitswesen stark punkten. (DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.02.2009)

Zur Person
Thorsten Schäfer-Gümbel (39) sitzt seit 2003 im Hessen-Landtag. Seit Jänner führt er die SPD-Fraktion, ab heute auch die Partei.

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    Thorsten Schäfer-Gümbel: "Die Linkspartei ist weder natürlicher Bündnispartner noch mystifizierter Gegner, sondern, eine konkurrierende Organisation."

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