"Es wird nicht gestritten"

27. Februar 2009, 17:37
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Zum Salzburger Wahlkampfabschluss sendet die SPÖ großkoalitionäre Signale, die ÖVP verteidigt ihre milde Wahlkampflinie

Die FPÖ hofft auf einen "blauen Sonntag" , die Grünen verspüren doch noch Aufwind.

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Salzburg - Ein Wahlkampf, der in den Augen vieler Beobachter keiner war, ist gelaufen. SPÖ-Spitzenkandidatin Gabi Burgstaller, die am Sonntag 45,4 Prozent aus dem Jahr 2004 zu verteidigen hat, ist auch Donnerstagabend bei ihrer Wohlfühllinie geblieben: "Bei uns wird nicht gestritten" , hat sie den Parteifunktionären beim offiziellen Abschlussabend noch einmal auf den Weg mitgegeben.

Richtung ÖVP und Herausforderer Wilfried Haslauer - 37,9 Prozent im Jahr 2004 - kommen im Finale statt Attacken großkoalitionäre Botschaften: "Wenn wir am 1. März als Erster durch das Ziel gehen, wird erster Ansprechpartner die zweitstärkste Kraft sein."

Und obschon Haslauer in den vergangenen Tagen versucht hatte, etwas angriffslustiger zu agieren, hat auch die ÖVP einen zahmen Wahlkampf geführt. Dass dies von manchen Medien kritisch kommentiert wurde, akzeptiert man nicht: "Wenn wir uns achten, heißt es, wir sind fad" , verteidigt Landesrätin Doraja Eberle den milden Stil der Auseinandersetzung.

Der Vorsprung der SPÖ vor der ÖVP variiert in den Umfragen je nach Institut zwischen drei und fünf Prozent. Einig sind sich die Umfragen aber, dass die SPÖ am Sonntag vor der ÖVP liegen sollte.
Wesentlich aggressiver war der Tonfall beim Wahlkampfabschluss der Freiheitlichen in einem Bierkeller der Landeshauptstadt. Die Themen hier: kriminelle Jugendbanden, Wohnungsvergabe an Migranten und die Bundesregierung als personifizierter "Gammelfleischskandal" .

Hauptredner war nicht der in Salzburg zur Wahl stehende Spitzenkandidat Karl Schnell, sondern Bundeschef Heinz-Christian Strache. "Wir werden in zehn Jahren stärkste Partei in Österreich sein" , hat dieser den Fans versprochen.

Dass die Blauen bei den Landtagswahlen zulegen werden, davon gehen auch alle Meinungsforscher aus. Allerdings startet die FPÖ auf niedrigem Niveau: Die 2004 erreichten 8,7 Prozent sind ein historischer Tiefstand.

Die zuletzt durch die parteiinternen Debatten um die Kandidatur von EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber außer Tritt geratenen Grünen - 2004: acht Prozent - verspüren in den letzten Tagen doch noch leichten Aufwind. Ihr allein auf das Thema Energie ausgerichteter Wahlkampf fand in den Medien verstärkt positiven Niederschlag.

Ob die Grünen ein drittes Landtagsmandat erreichen, könnte ebenso wie der vom BZÖ erhoffte Einzug in den Landtag bis Donnerstag offen bleiben. Erst nach Vorliegen der bis dahin eingelangten Briefwählerstimmen kann das endgültige Wahlergebnis ermittelt werden. Für die Landtagswahlen sind rund 21.000 Wahlkarten ausgegeben worden. Diese können per Post wie auch in einem "fremden" Wahllokal abgegeben werden. (Thomas Neuhold/DER STANDARD Printausgabe, 28. Februar/1. März 2009)

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    Schminken vor dem nächsten Wohlfühlauftritt: Landeshauptfrau Burgstaller hat den Ball im Wahlkampf betont flach gehalten.

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