Viel mehr Emotion, bitte

27. Februar 2009, 16:51
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Die gute Nachricht aus der Krise: Sie deckt gerade einen großen Irrtum auf, nämlich dass Menschen rational handeln, Emotionen in der Wirtschaft entweder nicht da oder störend sind.

Eindrucksvoller als mittels Börsensturz und Lemming-Verhalten in der Realwirtschaft kann gar nicht vorgeführt werden, wie unsinnig Appelle an die Ratio sind. Dazu braucht man derzeit gar keine Neurobiologen bemühen - obwohl: Die sollte man auch lesen. Bis jetzt gehörte es zum Business-Erfolgskonzept, bloß keine Emotionen zu zeigen. Und keine zuzulassen. Damit haben Manager ganze Unternehmen ihrer Energie beraubt und gelähmt. Und waren gefeierte starke Helden. Das kehrt sich jetzt radikal um.

Wer sich jetzt nicht den Emotionen (zuerst den eigenen) öffnet, wird nicht gewinnen. Wer Angst nicht anspricht und die Energie in diesen „negativen" Emotionen nicht freisetzt, wird nicht führen können. Wie? Wirtschaftspsychologe Othmar Hill gibt eine simple Antwort aus seiner Praxis: die ehrlich gemeinte Frage "Wie geht es dir?" als Öffnen des Raumes für Begegnung und gegen Verdrängen. Emotionen sind auch das Generalthema des Jahresforums für die Personalwirtschaft im kommenden April in Rust (www.businesscircle.at). Schön, dass Emotionen endlich als Ressource erkannt werden. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

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