Emotionen als Erfolgsfaktor

27. Februar 2009, 16:56
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Positive wie negative Gefühle können die betriebliche Dynamik geschäftsfördernd oder -schädigend beeinflussen

In der TV-Show "The Next Uri Geller" ging es um Emotionen: "Liebe" wurde übereinstimmend als wichtigste positive Emotion lokalisiert, dann die "Angst" als negative Emotion in eine Kiste gesperrt und aus dem Verkehr gezogen.

So einfach geht es in der Arbeitswelt nicht: Sicher ist die Finanz- und Wirtschaftskrise auf dem besten Weg, bestimmend für das Jahr 2009 zu werden. Nur: Letztlich entscheiden auch hier Emotionen über den Verlauf, über ihre Wirkungen und den Weg aus der Krise. Gerade jetzt haben viele Menschen ein Defizit an positiven Emotionen. Wie tief es bei Arbeitnehmern ist, sieht man am Autozulieferer Schaeffler: Hier hat sich eine milliardenschwere Firmenbesitzerin verspekuliert. Trotzdem jubeln ihr Mitarbeiter auf einer Großdemonstration zu. Selbst die vorher quasi ausgesperrten Gewerkschaften liegen wie kleine Kätzchen vor der Frau, die zeitgleich mit ihrer Forderung nach Staatsmilliarden noch auf der Audi-Nacht in Kitzbühl stolz ihren Nerzmantel präsentierte.

Gefühle zur Motivation

Emotionen sind zentraler Motivationsfaktor. Sie schaffen Begeisterung, fördern Innovation und Kreativität, sorgen für gute Stimmung und allgemeine Gesundheit. Arbeit soll und kann Spaß machen. Auf der anderen Seite können Emotionen wie Angst, Neid und Trauer einen Zustand der individuellen und kollektiven Lähmung herbeiführen, bei dem das Unternehmen und der Einzelne auf der Strecke bleiben.Was bei positiven Emotionen wie eine sich selbst verstärkende Automatik in eine positive Richtung läuft, kann bei negativen Emotionen zur fatalen Abwärtsspirale werden, deren Dynamik kaum aufzuhalten ist. Die künftige Arbeitswelt wird durch Emotionen bestimmt. Offen ist aber, welche den Ausschlag geben. Hierauf eine Antwort zu geben setzt voraus, dass man Emotionen als Erfolgsfaktor ernst nimmt und zu verstehen versucht, was in den Köpfen der Mitarbeiter vorgeht. Die Betriebswirtschaftslehre hat hier vieles falsch gemacht und sich auf die Scheinrationalität der Zahlen reduziert.

Die Konsumentenforschung als eine der wenigen Ausnahmen ist einen anderen Weg gegangen: Danach zählt bei Red Bull nicht, was in der Dose ist. Es zählt Emotion. Emotionen müssen rational analysiert und dann gelebt werden: Bekannt-triviale Varianten von Mitarbeiterbefragungen sind durch neue Verfahren zu ersetzen, Unternehmenskultur und Personalführung auf die Ebene der emotionalen Intelligenz zu bringen. Damit dieser Punkt nicht falsch verstanden wird: Der fast-rationale Umgang mit Emotion ist kein Widerspruch, sondern Schlüssel zur Lösung. Nur dann können wir die "Angst" in die Kiste sperren und unsere Arbeitswelt vielleicht nicht mit "Liebe", wohl aber mit "Glück" verbinden. (Christian Scholz*, DER STANDARD, Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

Zur Person

*Christian Scholz ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Gründungsdirektor des MBA-Programms an der Universität des Saarlandes sowie fachlicher Leiter der PoP, Jahresforum für die Personalwirtschaft.

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    Emotionen im Unternehmen können dynamisch wirken

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