Kloster in Provinz Qinghai nach Protest umstellt

27. Februar 2009, 15:58
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Tibetischer Mönch versuchte, sich anzuzünden

Peking -  Die chinesische Regierung hat bestätigt, dass sich in der südwestlichen Provinz Sichuan ein tibetischer buddhistischer Mönch selbst angezündet hat. Ein Mann in Mönchskleidung sei am Freitagnachmittag aus dem Kloster Kirti in der Stadt Aba gekommen und habe sich auf der Straße selbst in Brand gesteckt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag unter Berufung auf die örtliche Sekretärin der Kommunistischen Partei, Shi Jun. Diese sagte demnach, die Polizei habe das Feuer gelöscht. Der Mann sei mit Brandwunden an Hals und Kopf ins Krankenhaus gebracht worden.

Exiltibeter sprechen von Schüssen

Tibet-Aktivisten von Exil-Vereinen hatten zuvor hauptet, Polizisten hätten auf einen Mönch geschossen, der sich selbst angezündet hatte. Im März jähren sich zum 50. Mal die blutige Niederschlagung des tibetischen Volksaufstands durch chinesische Truppen und die Flucht des Dalai Lama ins indische Exil.

Der in London ansässige Verein "Free Tibet" berichtete, bei dem Vorfall in Aba hätten Polizisten geschossen, nachdem sich der Mönch gerade eben angezündet hatte. Laut dem New Yorker Verein "Students für a Free Tibet" hatte die Polizei in der Nähe des Klosters Kirti etwa tausend Mönchen den Zugang zum Gelände verwehrt. Die meisten Mönche folgten daraufhin dem Rat ihrer Ältesten, auseinanderzugehen. Einer von ihnen, der eine tibetische Flagge mit dem Bild des Dalai Lama getragen habe, habe sich jedoch angezündet.

In der vergangenen Woche gingen paramilitärische Truppen gegen Demonstranten in Litang in der Provinz Sichuan vor. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden mehrere Menschen verletzt und mehr als 20 Demonstranten festgenommen. Nach Berichten vom Freitag haben chinesische Sicherheitskräfte wegen einer Mahnwache tibetischer Mönche ein buddhistisches Kloster in der Provinz Qinghai umstellt. Niemand dürfe das Kloster von Lutsang betreten oder verlassen, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen.

Neujahrsfest

Zum tibetischen Neujahrsfest Losar hatten sich mehr als hundert Mönche mit Kerzen in der Hand vor der Präfekturverwaltung von Guinan zu einem kurzen Protest versammelt. In Qinghai befindet sich auch das berühmte Kloster Kumbum, eines der vier wichtigsten Zentren des tibetischen Buddhismus. 1996 war es in Kumbum zu schweren Übergriffen der kommunistischen Behörden gekommen. Mönche und Novizen wurden monatelang eingesperrt und gefoltert. Die Klosterschule war 1990 wieder geöffnet worden. Sie wurde 1996 geschlossen. Die 200 Novizen mussten das im Jahr 1560 gegründete Kloster verlassen. Mit einer "Kampagne zur patriotischen Erziehung" wollte Peking seinen Einfluss auf die Klöster stärken. 35.000 Mönche und Nonnen in Tibet wurden im Rahmen der Kampagne "umerzogen".

Im November war die letzte Gesprächsrunde zwischen Bevollmächtigten des Dalai Lama und der chinesischen Regierung ergebnislos abgebrochen worden. Peking warf dem tibetischen Exil-Oberhaupt vor, nach wie vor einen "Geheimplan" zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit Tibets zu verfolgen. Die chinesische Führung hatte den Gesprächen mit der tibetischen Exilführung im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking unter internationalem Druck zugestimmt. Zuvor hatte Peking den im indischen Exil lebenden 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, beschuldigt, die schweren Unruhen vom März des Vorjahres angezettelt zu haben.

Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Dalai Lama hat Peking wiederholt schwere Menschenrechtsverstöße in seiner Heimat vorgeworfen, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen. Die chinesische Siedlungspolitik in Tibet verurteilte er als "kulturellen Völkermord". Die massive Ansiedlung von Han-Chinesen sei eine "demografische Aggression", um die Tibeter zur Minderheit im eigenen Lande zu machen. (APA)

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    China hat in der Provinz Qinghai ihre Polizei- und Militärkräfte verstärkt.

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