Ohne Osthilfe Gefahr einer überschießenden Rezession

27. Februar 2009, 15:52
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Busek: Entwicklung in Osteuropa entscheidend für künftige Entwicklung Europas - Bretschneider: Manager haben ein viel besseres Bild der Region

Wien - Ohne ausländische Hilfe besteht in Osteuropa durch das Versiegen der ausländischen Direktinvestitionen und der rückläufigen Exporte die Gefahr einer überschießenden Rezession, warnte der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Peter Zöllner beim heute in Wien stattfindenden "Vienna Economic Forum" (VEF). Ost- und Südosteuropa sei für ganz Europa entscheidend. Lange habe sich die Region gegen die Finanzkrise wehren können. Aber nach der Lehman-Pleite habe sich die gesamte Welt komplett geändert.

Österreichs Banken spielten in Osteuropa seit Beginn der Marktöffnung eine wichtige Rolle, sie seien eine treibende Kraft für die Modernisierung der Region geworden. Dies habe Vorteile für alle Partnerländer gebracht. Von einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung in der Region wäre nicht nur Österreich, sondern die gesamte EU betroffen. Osteuropa werde langfristig auf Wachstumskurs bleiben, wenn die Krise richtig behandelt wird. Gefragt sei europäische Solidarität. "Niemand kann alleine überleben", so Zöllner.

Die Entwicklungen in Osteuropa seien untrennbar mit der zukünftigen Entwicklung Europas verbunden, betonte der Vizepräsident des VEF, Erhard Busek. Busek begrüßte das internationale EBRD-Osteuropa-Hilfspaket mit den Worten "Es ist etwas in der Pipeline".

Keine nationale Volkswirtschaften

Über die Krise und deren Chancen müsste gesprochen werden. Es gebe keine nationalen Volkswirtschaften mehr. Die Osterweiterung sei für alle EU-Länder von Vorteil gewesen, also müssten jetzt auch alle gemeinsam handeln. Investitionsbedarf gebe es im Infrastruktur-, Energie- und Konsumgüterbereich. Zur Finanzierung sollten die vorhandenen EU-Regionalfonds besser genützt werden. Auch am Gesundheits- und Bildungssystem fehle es. Das Hauptproblem sei die Ukraine: "Hier kann nur mehr der IWF helfen", so Busek.

Heftig kritisiert wurden von Busek die internationalen Zeitungen und Ratingagenturen. Diese hätten die Region "herunter geschrieben". Es sei nicht wahr, was geschrieben werde, es sei ein schlechtes Beispiel für Öffentlichkeitsarbeit. Rumänien etwa habe das gleiche Rating wie Kolumbien, obwohl es eine deutlich geringere Staatsverschuldung aufweise. Hier müsse ein Lernprozess einsetzen, am besten sei eine Vorwärtsstrategie. "Die Krise ist in Wirklichkeit eine Chance", so Busek.

Laut Rudolf Bretschneider von GfK Austria haben die Manager von in Osteuropa tätigen Firmen ein viel besseres Bild von dieser Region, die sie laut Umfragen noch immer als sehr attraktiv einschätzen würden. "Lesen die Manager keine Zeitung?", so der Marktforscher. Die Manager hätten bessere Quellen als die Ratingagenturen, den die Manager würden in den Ländern leben, hätten eine langfristige Perspektive und andere "Standards" als Moody's oder Standard & Poor's (S&P). (APA)

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