DAX und OMX mit stärkstem Ausverkauf

27. Februar 2009, 15:38
posten

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der Stoxx konnte gestern- nach fast zwei Wochen in den roten Zahlen- erstmals wieder ein leichtes Plus (2,2%) verzeichnen. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4% zu buche. Autohersteller (-11%) und Baukonzerne (-9%) mussten die größten Verluste hinnehmen. Banken (+1%) konnten als einziger Sektor ein Plus verzeichnen. Trotzdem erreichte der Teilindex am Mittwoch ein neues Tief und tendiert weiter abwärts. Ein Blick auf die europäischen Börsen zeigt, dass der DAX (-6,5%) und der OMX (-6,8%) in Helsinki am stärksten vom Ausverkauf betroffen waren. Der Baltic Dry Index fiel wieder unter 2000 Punkte (-5,2%).

Der Auftragseingang der Industrie des Euroraums ist im Dezember im Rahmen der Erwartungen gesunken. Im Verarbeitenden Gewerbe gingen 5,2% weniger Aufträge ein als im Vormonat, und die Zahlen für November wurden auf einen Rekordrückgang von 5,4% (zuvor 4,5%) nach unten revidiert. Die deutlichsten Auftragseinbußen verzeichnete der Maschinen- und Anlagenbau, gefolgt von starken Orderrückgängen bei der Metallerzeugung sowie im Fahrzeugbau.

Schlechte Nachrichten kamen diese Woche auch aus Frankreich. Der Index für das Konsumentenvertrauen fiel um einen Punkt auf -43 Zähler. Dieser Stimmungsbarometer gilt als ein wichtiger Indikator für die Entwicklung des privaten Konsums, der zwei Drittel der französischen Wirtschaftsleistung ausmacht. Weiters schnellte die Arbeitslosenzahl in Frankreich in die Höhe. Im Jänner meldeten sich gut doppelt so viele Menschen arbeitslos wie im Dezember. Jüngst haben französische Autobauer tausende Stellen gestrichen und auch Luxusgüterkonzerne wie PPR, zu dem Gucci und Puma gehören, kündigten in der letzten Woche an Arbeitsplätze abzubauen.

Ifo-Index: Erwartungen weiter steigend

Der Ifo- Index konnte derweil nicht an den Anstieg vom Januar anknüpfen und fiel im Februar von 83,0 Zählern auf einen neuen Rekordtiefstand von 82,6. Der Rückgang ist in erster Linie auf den deutlichen Rücksetzer der aktuellen Lage von 86,8 auf 84,3 Punkte zurückzuführen, während die Erwartungskomponente den zweiten Anstieg in Folge verbuchte. Mit 80,9 Punkten notiert dieser Teil der Umfrage vier Punkte oberhalb des Tiefs aus dem Dezember. Absolut gesehen stufen die Unternehmen die Zukunftsperspektiven aber weiterhin als äußerst düster ein. Die eingesetzte Stabilisierung bei der Erwartungskomponente der Ifo und ZEW Indizes machen aber Hoffnung, dass es in der späten zweiten Jahreshälfte 2009 zu einer Stabilisierung der Konjunktur kommen könnte.

Enel hat die spanische Endesa fast gänzlich unter seine Kontrolle gebracht. Die Italiener einigten sich mit Acconia darauf, deren 25% Anteil an Endesa für EUR 11,1 Mrd. zu übernehmen. Damit erhöht Enel seine Beteiligung am zweitgrößten Versorger Spaniens auf 92%. Der Zukauf muss allerdings noch von der spanischen Regulierungsbehörde und der EU-Kommission genehmigt werden. Enel präsentierte derweil die vorläufigen Geschäftszahlen für 2008. Demnach stieg der Umsatz auf EUR 61 Mrd. (+40%) und beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wurde im Vorjahresvergleich ein Anstieg auf EUR 14,2 Mrd. (+45%) verbucht.

Auch RWE konnte im abgelaufenen Jahr den Umsatz steigern. Der Erlös wuchs um 15% auf EUR 47,5 Mrd. und übertraf damit die Erwartungen. Der Konzern selbst hatte als Ziel zehn Prozent ausgegeben. Unter dem Strich steht aber wegen Wertberichtigungen bei der amerikanischen Tochter American Water aus dem ersten Quartal ein Rückgang beim Gewinn von EUR 2,6 Mrd. (-4,1%) zu Buche. Für 2008 erhöht der Konzern seine Dividende um knapp 43% auf EUR 4,50 Euro je Aktie. 2009 werde der Umsatz "voraussichtlich" über dem Niveau von 2008 liegen. Das betriebliche Ergebnis sowie das für die Dividendenberechnung wichtige nachhaltige Nettoergebnis sollen jeweils in der Höhe des Vorjahres abschließen.

Xetra Volumen erholt sich nach schwachem Jänner

Die Deutsche Börse hat von der Krise profitiert und für 2008 neue Rekorde bei Umsatz und Ergebnis gemeldet. Beim Nettogewinn wurde mit EUR 1,03 Mrd. (+13,3%) erstmals die Milliarden-Euro-Schwelle überschritten. Die Erlöse stiegen im abgelaufenen Jahr um rund 12% auf EUR 2,46 Mrd. Für das laufende Jahr meldete das Unternehmen, dass sich das Handelsvolumen nach einem ungewöhnlich ruhigen Januar im Februar wieder etwas erholt hat.

Das Debakel um die Dresdner Bank und die Finanzkrise haben die Allianz im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone gerissen. Unter dem Strich fuhr der Konzern ein Minus von EUR 2,4 Mrd. ein. Im Vorjahr war die Allianz mit EUR 8 Mrd. Gewinn noch das bestverdienende deutsche Unternehmen. Den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank hatte die Allianz im Januar über die Bühne gebracht. Die Belastungen durch die ehemalige Tochter schlugen im vergangenen Jahr mit EUR 6,4 Mrd. zu Buche. Im fortgeführten Geschäft ohne die Dresdner Bank brach der Überschuss des Konzerns auf EUR 4 Mrd. (-45%) ein. Das operative Ergebnis ging auf EUR 7,4 Mrd. (-28%) zurück. Der Umsatz schrumpfte um 5,3% auf EUR 92,5 Mrd. Eine Prognose für das laufende Jahr wagt man nicht.

Accor will in Reaktion auf einen Gewinnrückgang 2008 und anhaltend schwierige Marktbedingungen kräftig sparen. Nachdem die Wirtschaftskrise die Hotelbranche eingeholt und die Nachfrage vor allem im Schlussquartal deutlich gesunken ist, will man im laufenden Jahr EUR 125 Mio. weniger in die Renovierung von Hotels stecken. Im vergangenen Jahr verringerte sich der Nettogewinn auf EUR 575 Mio. (-34,9%) und der Umsatz 2008 sank auf EUR 7,74 Mrd. (-3,6%).

Schokolade gegen die schlechte Stimmung

Die Zahlen von Cadbury haben offenbart, dass sich die Verbraucher weigern, ihre Schokolade und Kaugummi während der Krise aufzugeben. Unter dem Strich stieg der bereinigte Nettogewinn des Konzerns aus fortgeführtem Geschäft auf GBP 403 Mio. (+30%) und der Umsatz legte auf GBP 5,4 Mrd. (+15%) zu. Das größte Wachstum kam aus den Schwellenländern. Spitzenreiter waren Indien und Südafrika.

Mit einem Verlust von EUR 313 Mio. nach einem Gewinn von EUR 793 Mio. im Vorjahreszeitraum ist BASF im vierten Quartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht als erwartet. Der Umsatz sank auf EUR 14,3 Mrd. (-2,7%). Eine Trendwende zum Besseren sieht der Vorstand nicht. Die Nachfrage habe sich seit Jahresbeginn nicht belebt und die Lage auf den Absatzmärkten verschärft sich weiter. Für das Gesamtjahr stellte der Konzern einen Umatzrückgang und einen noch stärkeren Einbruch des Betriebsergebnisses in Aussicht.

Die Deutsche Post hat im vierten Quartal wegen hoher Verluste im amerikanischen Expressgeschäft und geringerer Volumina wegen der weltweiten Konjunkturkrise einen Milliardenverlust verbucht. Der Verlust 2008 belief sich auf EUR 1,69 Mrd. Die Dividende wird auf EUR 0,60 Cent je Aktie gekürzt. Besser läuft es bei der Deutschen Telekom. Im vierten Quartal konnten Umsatz und operative r Gewinn gesteigert werden und die Finanzziele für das Gesamtjahr leicht übertroffen werden. Im Gesamtjahr sank er jedoch wegen Wechselkurseffekten um 1,4 Prozent auf EUR 62,5 Mrd. (-1,4%). Netto standen im Gesamtjahr EUR 1,5 Mrd. (+161%) zu Buche. Das operative Ergebnis 2009 sieht der Konzern auf Vorjahresniveau.

Nächste Woche geht die Bilanzsaison unter anderem mit Vivendi, HSBC, Bayer, Adecco und Salzgitter weiter. Am Montag werden die Einzelhandelsumsätze in Deutschland bekannt gegeben und am Donnerstag stehen die BIP Zahlen der EU für das vierte Quartal an.

Share if you care.