US-Indizes erneut mit herben Verlusten

27. Februar 2009, 15:35
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen tendieren knapp 3% schwächer. Der Dow fiel am Montag sogar auf den tiefsten Stand seit 1997, der Nasdaq Composite fiel zwischenzeitlich auf ein 12-Jahres-Tief, ehe sich die Indizes am Dienstag ein wenig stabilisieren konnten. Die Reden von Bernanke, Obama und Geithner sorgten teilweise für Verunsicherung, der Finanzsektor profitierte von den Kommentaren. Gold kletterte erstmals seit März 2008 über die magische Marke von USD 1.000/Unze, korrigierte jedoch im Wochenverlauf auf USD 940/Unze. Der Ölpreis tendierte fester, die US-Benchmark WTI stieg auf USD 44/Barrel, nachdem die Lagerbestände überraschend deutlich sanken.

Timothy Geithner kündigte in einer mit Spannung erwarteten Rede an, "systemrelevanten Finanzinstituten" helfen zu wollen. Man plane Vorzugsaktien zu kaufen, die später in Stimmrechtsaktien umgewandelt werden. Vor Ablauf einer Frist würde den Banken jedoch wieder die Möglichkeit gegeben, die Aktien zurückzukaufen. Am Dienstag sorgten Kommentare von Ben Bernanke für ein wenig Erleichterung. Der Fed-Chef signalisierte, dass eine breite Zwangsverstaatlichung im Finanzsektor nicht zur Debatte stünde. In einer Rede vor beiden Häuser des Kongresses übte sich Barack Obama in Optimismus und Beschwichtigung. Die Rechnung des übertriebenen Konsums auf Kredit werde nun präsentiert, die USA werden jedoch gestärkt aus der Krise hervortreten. Bis auf allgemeine Phrasen und Durchhalteparolen gab es jedoch wenig Neues oder Konkretes. Der Haushaltsplan belastete zusätzlich. Man werde jedoch einen Spielraum in Höhe von USD 250 Mrd. lassen, um das Bankensystem weiter zu stabilisieren. Weiters werde man US -Bürgern den Zugang zu Generika erleichtern, Pharmahersteller wie Merck oder Healthcare-Titel wie Humana litten unter diesen Plänen. Paul Volcker meinte zudem, dass die aktuelle Situation wesentlich dramatischer als die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren sei.

(Noch) keine Entspannung im Immobiliensektor

Der Case-Shiller Index, der die Immobilienpreise der wichtigsten 20 Städte abbildet, fiel im Dezember um 18,4%. Zwangsversteigerungen und einbrechende Verkäufe führten zu dem erneuten Einbruch, seit der Spitze im April 2006 fiel der Index somit um 27%. Eine Stabilisierung erscheint noch in weiter Ferne. Das Verbrauchervertrauen fiel auf 25, der Konsens war von 35 ausgegangen. Auch die Arbeitsmarktdaten enttäuschten erneut. Die Anzahl der Leistungsempfänger stieg auf einen Rekord von 5,1 Millionen. Der Auftragseingang für Gebrauchsgüter sank ebenfalls stärker als prognostiziert, zudem wurden die Werte des Vormonats deutlich nach unten revidiert.

Die Aussicht auf ein weiteres Rettungspaket in Milliardenhöhe beflügelte die Finanzwerte. Der KBW Banken Index stieg von seinem Allzeit-Tief bei 20 Punkten bis auf 28 Zähler. AIG dürfte kurz vor der Zerschlagung stehen, man verhandle mit der US -Regierung um eine Aufspaltung in drei Teile. Die Aktie hat seit ihrem Höchststand nun 99,5% an Wert verloren. Die Staatsanwaltschaft weitete ihre Ermittlungen rund um die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America aus. Es seien wichtige Informationen verschwiegen worden, zudem seien die staatlichen Hilfen teilweise veruntreut worden. JPMorgan meldete zudem den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen bei der Tochter Washington Mutual. Zudem werde man die Dividende um 87% kürzen. Auch Bank of America bleibt weiterhin unter Druck. Nun wolle man die Privatbank First Republic Bank verkaufen. Goldman Sachs und Morgan Stanley gelten als wahrscheinliche Käufer.

Tendenziell positive Überraschungen gegen Ende der Berichtssaison

IBM bekräftigte die Gewinnprognose für 2009, der Aktienkurs stabilisierte sich darauf. Börsenbetreiber Nasdaq OMX konnte die Schätzungen deutlich übertreffen, insbesondere die Sparmaßnahmen überraschten positiv. Öltitel wir Chevron oder Exxon Mobil profitierten von gestiegenen Ölpreisnotierungen. Home Depot konnte die Erwartungen übertreffen, der Umsatzrückgang lag im Rahmen der Erwartungen. Konkurrent Lowe's meldete ein schwaches Quartalsergebnis, der Gewinnausblick für das erste Quartal enttäuschte. GPS-Hersteller Garmin meldete einen Umsatzeinbruch von 14% auf USD 1,05 Mrd. im abgelaufenen Quartal. Die Lagerbestände wurden deutlich verringert. Kaufhausbetreiber Macy's konnte die Schätzungen übertreffen, der Ausblick wurde bestätigt.

Die Überlebensfähigkeit der amerikanischen Ikone General Motors wird immer mehr in Frage gestellt. GM meldete einen Verlust in Höhe von USD 30,9 Mrd. in 2008, die Erwartungen wurden enttäuscht. Die deutsche Tochter Opel benötigt höhere Kreditgarantien als erwartet, EUR 3,3 Mrd. an kurzfristiger Liquidität werden dringend benötigt. Auch die Fusionsgespräche zwischen GM und Chrysler dürften erneut aufgenommen worden sein. Ford profitierte indes von einer Einigung mit der Gewerkschaft UAW. Die Regelung der Gesundheitskosten könnte bis zu USD 7 Mrd. an Ersparnissen bringen. Zudem gab es bei Ford Einigung über Abfindungsprogramme für Arbeiter und Gehaltskürzungen im Management. Der Automobilzulieferer Visteon präsentierte indes den 10. Quartalsverlust in Folge und dürfte knapp vor der Insolvenz stehen.

Die vorläufige Bilanz der Berichtssaison ist erwartungsgemäß negativ. Aggregiert dürfte lt. S&P Analyst Howard Silberblatt ein Verlust von USD 10,44 im S&P 500 zu Buche stehen, exklusive Finanztitel läge der Verlust bei USD 2,35. Im Vergleich zum Vorjahresquartal fielen die Gewinne um 62%. Fast 400 der 500 S&P gelisteten Unternehmen werden negative Ergebnisse präsentieren, 6 Quartale negativen Wachstums gab es zuletzt von Q1 1951 bis zum 2. Quartal 1952.

In der nächsten Handelswoche präsentieren die Homebuilder H&R Block und Toll Brothers ihr Zahlenwerk, die Berichtssaison ist jedoch de facto zu Ende. Impulse sollten auch vom  ISM-Manufacturing, den Immobiliendaten und dem Beige Book der Federal Reserve kommen. Anzeichen einer nachhaltigen Bodenbildung sehen wir noch nicht, die Erholung bleibt kurzfristig. Der Dow Jones Transport Index hat neue Tiefststände markiert, auch die Marktbreite spricht nicht für einen langfristigen Boden.

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