US-Unternehmen warten auf Lockerung des Embargos

27. Februar 2009, 15:06
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Nach Obamas Wahl registrierten mehrere Konzerne Handelsmarken in Kuba, um auf Marktöffnung vorbereitet zu sein

US-Präsident Barack Obama hat im Wahlkampf angekündigt, eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba anzustreben. Von einer Aufhebung des seit 47 Jahren bestehenden Embargos will seine Außenministerin Hillary Clinton zwar nicht sprechen, aber amerikanische Unternehmen hoffen trotzdem auf neue Absatzmärkte.

So haben im Dezember die Firmen Coca-Cola, Google und Ford ihre Handelsmarken in Havanna registrieren lassen. Viele andere Trademarks wurden noch vor der kubanischen Revolution eingetragen und seitdem alle zehn Jahre verlängert.

An der Anzahl der geschützten Marken kann man die Erwartungen der Wirtschaft an die Entwicklung der US-kubanischen Beziehungen ablesen: nach dem Ende der Sowjetunion wollten sich viele Unternehmen eine gute Startposition sichern und zahlten gern die mit 1.500 Dollar relativ günstige Registrierungsgebühr, während der beiden Amtszeiten George W. Bushs sank die Zahl der Anträge um 36 Prozent.

Vor allem die US-Lebensmittelindustrie erhofft sich von einem am Mittwoch im Repräsentantenhaus verabschiedeten Gesetz, das Exporte auf die Karibikinsel erleichtern soll, einen Umsatzanstieg. Die neue Regelung, die erst vom Senat bestätigt werden muss, sieht die Aufhebung mehrerer Maßnahmen der Bush-Regierung vor, nach denen die kubanische Importgesellschaft Alimport zum Beispiel Lieferungen in Bargeld bezahlen muss, bevor das Schiff den Hafen verlassen darf.

Exporte stiegen 2008

Das U.S.-Cuba Trade and Economic Council, das über die Exporte Buch führt, meldet für 2008 eine 61-prozentige Steigerung der Agrarexporte, womit Kuba auf der Liste der wichtigsten US-Handelspartner von Platz 31 auf 19 vorrückt. Nach drei Wirbelstürmen, die die kubanische Landwirtschaft schwer getroffen haben, importiert die Insel verstärkt Mais, Weizen, Hühner und Sojaprodukte aus den USA.

Reis kommt bisher vor allem aus Vietnam. Marvin Lehrer, Kuba-Experte der USA Rice Foundation, erhofft sich von der neuen Gesetzgebung einen Anstieg der Exporte, die nach der Verschärfung der Handelsbestimmungen durch die  Bush-Regierung von 175.000 Tonnen im Jahr 2004 auf lediglich 12,600 Tonnen 2008 sanken.

Sonderfall Bacardi

Ein US-Produkt, das es in absehbarer Zeit nicht in Kuba zu kaufen geben wird, ist Bacardi-Rum: die exilkubanische Unternehmerfamilie streitet mit dem staatlichen Cubaron-Konzern und dessen europäischem Vertriebspartner Pernod Ricard um den Markennamen "Havana Club".

Dass der multinationale Konzern einen in Puerto Rico destillierten Rum in den USA unter dem Markennamen der Kubaner verkauft, empörte Ex-Präsident Fidel Castro: "Ich hoffe, es wird sich niemand beschweren, wenn wir hier eines Tages beginnen, Coca-Cola zu produzieren, und auf die Dosen schreiben wir dann 'Coca-Cola Cubana'", drohte er damals. Bisher haben sich die kubanischen Behörden allerdings an das Handelsmarken-Recht gehalten und in mehreren Fällen illegal registrierte Namen ihren rechtmäßigen Eigentümern zugesprochen. (bed)

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    Werbeschilder aus der Zeit vor 1959: Kuba war ein wichtiger Absatzmarkt für US-Produkte.

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    Viele Handelsmarken wurden vor der kubanischen Revolution eingetragen und seitdem regelmäßig verlängert.

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