Ein unzureichender Widerruf

27. Februar 2009, 17:29
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Williamsons "Entschuldigung" genügt dem Vatikan nicht

Rom - Für den Vatikan ist die Entschuldigungserklärung des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson, dessen Holocaust-Aussagen weltweit Empörung hervorgerufen haben, nicht ausreichend.

Rom forderte am Freitag von Williamson einen vollständigen Widerruf seiner Aussagen, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi mitteilte. Williamson hatte gesagt, in nazideutschen Vernichtungslagern wären nicht sechs Millionen Juden, sondern maximal 300.000 umgebracht worden, und kein einziger von ihnen in Gaskammern.

In einer am Donnerstag an die päpstliche Kommission "Ecclesia Dei" gerichtete Erklärung hatte Williamson um Vergebung für den durch seine Aussagen verursachten "Schmerz und Schaden" gebeten. Seine Holocaust-Leugnung widerrief er nicht ausdrücklich.

"Der Brief ist weder an den Heiligen Vater noch an die Kommission Ecclesia Dei gerichtet" , sagte Lombardi am Freitag im vatikanischen Pressesaal. Die Entschuldigung entspreche daher keineswegs den vom vatikanischen Staatssekretariat gestellten Bedingungen. Der Bischof sei darüber hinaus auch aufgerufen worden, sich auf absolut unbestreitbare Weise von seinen Holocaust-Aussagen zu distanzieren. Der Brief Williamsons sei jedoch "allgemein und mehrdeutig".

Knobloch entsetzt

Auch jüdische Organisationen nannten Williamsons Entschuldigung unzureichend. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies die Erklärung zurück. Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, zeigte sich entsetzt über die Worte Williamsons und verlangte vom Vatikan "klare Konsequenzen".

"Durch den ausbleibenden eindeutigen Widerruf seiner böswilligen Lügen hat Williamson erneut zum Ausdruck gebracht, dass er ein überzeugter Antisemit und unverbesserlicher Holocaust-Leugner ist" , sagte sie. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.02.2009)

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