Baldiges Konfliktende auf Karibikinseln

27. Februar 2009, 14:15
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Verhandlungspartner schließen Teilabkommen - "Alles ist noch nicht gelöst, aber es geht voran"

Pointe-à-Pitre/Paris - Nach einem wochenlangen Generalstreik und teils blutigen Ausschreitungen auf den französischen Karibikinseln Martinique und Guadeloupe hat sich zum Wochenende eine Lösung abgezeichnet. "Alles ist noch nicht gelöst, aber es geht voran", sagte Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy am Freitag in Paris. Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Regierungsvertreter auf Guadeloupe hatten in der Nacht ein Teilabkommen unterzeichnet, das am 1. März in Kraft treten könnte. Auch die Gewerkschaft Force Ouvrière schätzte, dass die Streikenden ihre Arbeit jetzt "recht schnell" wieder aufnehmen müssten.

Die Dachorganisation, das Bündnis Kollektiv gegen Ausbeutung (LKP), die den seit fünf Wochen dauernden Generalstreik anführt, rief jedoch noch nicht zum Ende der Proteste auf. Laut Behörden wollten die Vermittler der Regierung am Freitag versuchen, die bei den jüngsten Verhandlungen ferngebliebenen Arbeitgebervertretungen mit an den Tisch zu holen. Das Teilabkommen sieht vor, dass die Beschäftigten mit Mindest- oder Niedriglöhnen künftig 200 Euro mehr im Monat bekommen, von denen der Staat zwei Jahre lang die Hälfte übernimmt, wie Überseestaatssekretär Yves Jégo sagte.

Ruhige Nacht

In Martinique, wo es zwei Nächte hintereinander Krawalle gegeben hatte, blieb es in der Nacht zum Freitag ruhig. Auch dort zeichnete sich in den Verhandlungen eine Lösung ab, wie es von Regierungsseite hieß.

Der Grund für die Unruhen waren steigende Lebenserhaltungskosten. Die Preise für Lebensmittel oder Benzin sind teils wesentlich höher als in Frankreich, wofür die Gewerkschaften die Geschäftsleute und Unternehmen verantwortlich machen. Sarkozy sagte in Paris, es sei tatsächlich "vollkommen unnormal", dass die Preise auf den Antillen viel höher seien als im französischen Mutterland.

Hintergrund der Demonstration ist das Machtverhältnis zwischen der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung und den weißen Franzosen auf der Insel gekommen. Auf Guadeloupe machen die weißen Nachkommen der ehemaligen Sklavenhalter etwa ein Prozent der Bevölkerung aus, verwalten aber einen Großteil der Reichtümer des Übersee-Gebietes. (APA)

 

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