"Wie es aussieht, wird es brutal"

27. Februar 2009, 14:12
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Oberösterreicher "mag es, wenn es zäh zu laufen ist und mehr auf die Kraft ankommt", das Ziel sind die Top-Ten - Zahl der Medaillenanwärter groß

Jablonec - Es sind genau die Bedingungen, die sich Christian Hoffmann gewünscht hat. Für seinen einzigen Einsatz bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Liberec, den 50-km-Langlauf am Sonntag (13.00/live ORF 1), garantieren Wetter und Strecke ein enorm anspruchsvolles Ausscheidungsrennen. "So wie es aussieht, wird es brutal. Mir ist das nur recht, ich mag es, wenn es zäh zu laufen ist und mehr auf die Kraft ankommt", erklärte der 34-Jährige vor dem Massenstart-Bewerb.

Hoffmann hat bei Olympischen Spielen Gold (2002) und Bronze (1998) erobert, war Staffel-Weltmeister 1999, doch in WM-Einzelbewerben hat es für ihn seit dem fünften Rang in Lahti 2001 (50 km) nie mehr nach Wunsch geklappt. Oft war der Oberösterreicher gesundheitlich angeschlagen, doch diesmal war im Vorfeld alles optimal. "Vom Gefühl her passt alles", sagte der Routinier über Form und Gesundheit. Sein Ziel steckt er nach außen hin dennoch nicht in Richtung Medaillen. "Die ersten Zehn sind realistisch", erklärte Hoffmann. Es wäre ein versöhnlicher Abschluss für die in Liberec geprügelte Langlauf-Sparte des ÖSV.

Neben der Tagesverfassung ist da angesichts der langen Distanz auch noch die Unsicherheit in der Materialfrage. Die Witterung sei extrem, da brauche man einen Ski, der auf den fünfzig Kilometern möglichst lange die besten Gleiteigenschaften halte, betonte Hoffmann. "Bei einem Marathon baut der Ski ab, nach 30 oder 40 Kilometern ist es nur mehr reiner Kampf." Denn bei großer Feuchtigkeit sauge sich der Belag regelrecht an den Schnee an, da ist der richtige Schliff auf dem richtigen Ski enorm wichtig, um die Flüssigkeit über die feinen Rillen im Belag anzuleiten.

"Entweder man hat so einen Ski oder nicht", sagte Hoffmann. Die Skitechniker haben Erfahrungswerte für alle Bedingungen im Computer abgespeichert, so werden aus den insgesamt 20 Paar, die der Läufer zur Verfügung hat, etwa drei herausgefiltert, aus denen dann der Beste für die aktuellen Bedingungen ermittelt wird. Durchaus möglich, dass Hoffmann auf einen der neuen "Lochski" seines Ausrüsters Fischer setzt. Fünf Gramm weniger Gewicht in der Schaufel, das sei in Summe auf 50 Kilometern spürbar, sagte der Skating-Spezialist.

Der "Abbau" der Ski könnte allerdings eine geringere Rolle spielen als von Hoffmann gedacht. Denn er wusste zwei Tage vor dem Rennen noch nichts von einer Regeländerung der FIS. Demnach darf jeweils nach 7,5 Kilometern der Ski gewechselt werden, die Läufer müssten für den Umstieg rund 15 Sekunden opfern, haben aber danach neu präparierte Ski zur Verfügung.

Hoffmann hat wegen einer im Herbst erlittenen Rippenverletzung lange pausieren müssen, hat im WM-Winter nur zwei Weltcupeinsätze absolviert, glaubt aber, sich in Volksläufen über lange Distanzen die nötige Rennhärte geholt zu haben. "Meine gesamte Vorbereitung war auf dieses Rennen ausgerichtet", sagte er im Teamhotel in Jablonec. Er reiste erst am Dienstagabend zur WM an, doch die Dopingjäger waren ihm auch beim Trainingslager in Obertauern auf der Spur. "Ich bin zuletzt mehrmals kontrolliert worden", erklärte Hoffmann.

Im abschließenden Höhepunkt der Langlauf-Bewerbe wollen sich viele Läufer Lorbeeren verdienen. Einige konzentrieren sich wie Hoffmann ganz auf dieses Rennen, andere haben sich schon Selbstvertrauen geholt wie die Besten des 30-km-Verfolgsbewerbs.

Hoffmann nannte Weltmeister Petter Northug (NOR), Anders Södergren (SWE) und Giorgio di Centa (ITA), den Olympiasieger von Turin. "Und dann kommt noch ein Haufen anderer dazu", meinte er. Dazu zählen vor allem Weltcup-Spitzenreiter Dario Cologna (SUI), der Franzose Vincent Vittoz und nicht zuletzt Ex-Weltmeister Martin Koukal, der die Hoffnungen der tschechischen Gastgeber trägt. (APA)

 

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    Hoffmann: "Die ersten Zehn sind realistisch"

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