Mehrere Gesetzesänderungen wären notwendig

27. Februar 2009, 11:52
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Gewerkschafter Riegler: Unterschiede zwischen reiner Unterrichtszeit und tatsächlicher Arbeitszeit

Wien  - Um die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer, so wie von Unterrichtsministerin Claudia Schmied vorgeschlagen, um zwei Stunden zu verlängern, wären mehrere Gesetzesänderungen notwendig. "Mit Verordnungen oder einem Erlass ist nichts zu machen", erklärte der Pflichtschul-Gewerkschaftsvorsitzende Walter Riegler gegenüber der APA. Eine Gesetzesnovelle würde alle Lehrer, sowohl neueintretende als auch bereits im Beruf stehende, betreffen, so der Gewerkschafter, da es - anders als bei Bahn oder Post - keine Einzelverträge gebe.

Zwei Stunden mehr

Österreichs Lehrer sollen ab dem kommendem Schuljahr für das gleiche Gehalt zwei Stunden pro Woche länger in der Klasse stehen. Rechtlich sei dies nur mit einer Gesetzesänderung möglich, so Riegler: Für die Pflichtschul- und Berufschullehrer müsste das Landeslehrerdienstrechtsgesetz novelliert werden. Für die Bundeslehrer wären Änderungen im Bundeslehrer-Lehrverpflichtungsgesetz notwendig.

Im Landeslehrerdienstrechtsgesetz von 2001 hatten sich die Lehrervertreter mit dem Ministerium auf eine Neuregelung auf Basis der gesamten Arbeitszeit geeinigt. "Das LDG Neu regelt die gesamte Arbeitszeit in all ihren Bereichen, auch mit der Vor- und Nachbereitungszeit wie zum Beispiel Elternkontakte, Verbesserungen oder Schulveranstaltungen", so Riegler.

Für Volksschullehrer gilt eine Arbeitszeit von 1.800 Stunden pro Jahr. Davon entfallen 792 Stunden rein auf den Unterricht (22 Wochenstunden), rund 660 Stunden sind als Vor- und Nachbereitungszeit ausgewiesen. Die verbleibenden etwa 400 Stunden sind variabel und beinhalten etwa zusätzliche Supplierstunden, Zeit für besondere Projekte, Betreuung der Schulbibliothek oder der EDV. Jeder Lehrer hat mit seinem Vorgesetzten diese Einheiten für das nächste Schuljahr festzulegen. Die Festlegung auf 1.800 Stunden wurde von den allgemeinen Beamten abgeleitet, erklärte der Gewerkschafter. Eine Ausweitung der Arbeitszeit von zwei Stunden würde die Zahl der Unterrichtsstunden für Volksschullehrer von derzeit 792 auf 860 pro Jahr steigern (24 Wochenstunden).

Unterschiede zwischen Schularten

Für Hauptschullehrer gilt das gleiche System, wobei die Zahl der Unterrichtsstunden bei 756 liegt. Neben der Lehrverpflichtung von 21 Stunden soll die 22. Stunde für besonderen Betreuungskontakt zu den Schülern genutzt werden.

Bei den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) und Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) ist ein anderes System im Einsatz, hier gibt es die sogenannten Werteinheiten. Die Pädagogen haben 20 Stunden zu absolvieren, wobei jedes Unterrichtsfach - je nach Aufwand - anders gewichtet wird. Riegler geht davon aus, dass es in diesem Bereich dann laut Schmieds Vorschlag zwei Werteinheiten mehr gäbe. In Berufsschulen und Landwirtschaftlichen Fachschulen gibt es eine fixe Festlegung auf 23 Stunden. (APA)

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