Streit über Museum für Bürgerkriegsopfer

27. Februar 2009, 11:08
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Nach Ablehnung einer Spende aus Deutschland - "Wenn es Menschen an Versorgung fehlt, nutzt Museum nichts"

Lima - In Peru ist ein Streit über die Erinnerung an die 70.000 Toten des 20-jährigen Bürgerkriegs in dem südamerikanischen Land entbrannt. Hintergrund ist die Entscheidung von Präsident Alan Garcia, eine Spende aus Deutschland in Höhe von 1,56 Millionen Euro abzulehnen, die zum Bau eines Museums zur Ehrung der Bürgerkriegsopfer vorgesehen war.

Die Regierung erklärte am Donnerstag, sie betrachte das Projekt angesichts der Armut und des Hungers im Land nicht als vorrangig. "Wenn es den Menschen an medizinischer Versorgung fehlt, nutzt uns ein Museum überhaupt nichts", sagte Verteidigungsminister Antero Flores-Araoz dem Radiosender RPP in Lima. Später erklärte Ministerpräsident Yehude Simon, die Regierung schlage statt des Museumsbaus vor, das Geld direkt den Opfern beziehungsweise deren Angehörigen als Entschädigung zukommen zu lassen.

Petition

Bei Bürgergruppen, Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschaften und Intellektuellen stößt die Entscheidung der Regierung auf Kritik. "Die Menschen brauchen nicht nur Krankenhäuser und Bildung", sagte der Maler Fernando de Szyszlo im Sender RPP. "All das ist wichtig, aber ein Land kann sich nicht entwickeln, ohne gleichzeitig seine Kultur, seinen Geist und seine Seele zu entwickeln."

Szyszlo, der international bekannte Schriftsteller Mario Vargas Llosa und andere Intellektuelle bereiten dem Vernehmen nach eine Petition vor, in der die Haltung der Regierung zu dem Museumsbau kritisiert und der bewaffnete Konflikt zwischen der maoistischen Untergrundbewegung Leuchtender Pfad und den Regierungstruppen dokumentiert wird. Die Rebellengruppe hat Ende der 80er Jahre die Regierung beinahe zu Fall gebracht. Nach der Gefangennahme ihres Anführers Abimael Guzman 1992 zerfiel die Untergrundbewegung jedoch.

Eine Untersuchungskommission kam später zu dem Ergebnis, dass die Streitkräfte für den Tod von fast der Hälfte der 70.000 Bürgerkriegstoten verantwortlich waren. Die erste Amtszeit von Präsident Garcia von 1985 bis 1990 fiel zusammen mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs Ende der 80er Jahre. (APA/AP)

 

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