Erste Bank zapft die Staats-Pipeline an

27. Februar 2009, 17:59
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Die Bank ist mit der Republik handelseins - Gespräche mit weiteren Banken in der Zielgeraden

Die Erste Group holt sich um acht Prozent jährlich 1,9 Mrd. Euro Partizipationskapital vom Staat, 400 Millionen werden privat platziert. Dafür wird die Dividende nicht beschränkt, was Hauptaktionär Erste-Stiftung Luft gibt.

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Wien - Die vergangenen Nächte waren lang, die Krisenzeit ist es erst recht; es war daher ein müder Erste-Group-Chef, der am Freitag die vorläufigen Zahlen und Eigenkapital-Zufuhrpläne präsentierte.

Abends zuvor war, nach zwei Nachtsitzungen in dieser Woche, im Finanzministerium die finale Verhandlungsrunde zum Thema Geldspritze vom Staat zu Ende gegangen. Insgesamt holt sich die Bank 2,7 Mrd. Euro an frischem Geld, bis zu 1,89 Mrd. davon kommen vom Staat.

Acht Prozent Zinsen

Die Erste begibt stimmrechtsloses Partizipationskapital (PS-Kapital), zahlt dafür acht Prozent. Rund 400 Mio. will sie bei Privatanlegern unterbringen, auch Altaktionären werden PS-Scheine angeboten. Den Rest, der auf die 2,7 Mrd. Euro fehlt, soll als Hybridkapital aufgenommen werden.

Neben der Tatsache, dass der Staat laut Treichl "unter keinen Umständen ein Wandlungsrecht hat" (und somit nicht Aktionär werden kann) ist die Privatplatzierung das Herzstück des Deals. Denn: Das ist Voraussetzung dafür, dass die Bank dem Staat acht (und nicht 9,3 Prozent) Zinsen zahlt und keiner Dividendenbeschränkung unterliegt. Rückzahlen muss die Bank das Geld, das ihr Eigenkapitalquote auf 9,8 Prozent schraubt in fünf Jahren; Verlängerungsmöglichkeiten auf zehn Jahre sind (gegen höhere Zinsen) vorgesehen.

Von Dividendenzahlungen (für 2008 werden 65 Cent nach 75 vorgeschlagen) hängt nämlich Wohl und Wehe der Erste-Stiftung ab. Sie ist mit 30,6 Prozent größter Einzelaktionär, hat einen (laut Bankern unbesicherten) Kredit von rund einer Milliarde Euro zu bedienen, und Erste-Dividenden sind ihre einzige Einnahmequelle.

Vorstände verzichten auf Boni

Was die Einkommen der Manager betrifft, wird der Gürtel enger geschnallt. Für 2008 haben Treichl und seine Vorstandskollegen schon auf ihre Boni verzichtet; in Jahren, in denen das PS-Kapital nicht bedient wird, sind Boni verboten. Zudem muss in der ganzen Gruppe ein "nachhaltiges Remunerationsschema" (Treichl) erarbeitet werden. Und: Die Erste ist verpflichtet, in Österreich 4,4 Mrd. Euro für Kredite zur Verfügung zu zu stellen.

Das von Treichl präsentierte Geschäftsumfeld, in dem sich das alles abspielt: Der Nettogewinn 2008 ist, wie berichtet, auf 860 Mio. Euro gefallen, im vierten Quartal setzte es einen Verlust von 603 Mio. Euro. (Teilweise) abgeschrieben wurden die Banken in Rumänien, Serbien und der Ukraine (560 Mio. Euro). "Viel Geld gekostet haben uns mit 33 Mio. Euro Lehman Brothers, mit 288 Mio. die Wikinger (gemeint: Island; Anm.) und strukturierte Produkte mit 158 Mio. Euro" , so Treichl. Um 136 Prozent explodiert sind die Kreditvorsorgen, sie liegen bei rund einer Mrd.Euro "und werden heuer weiter steigen" , wie Treichl warnte. Mit dem operativen Geschäft ist er zufrieden: Das Betriebsergebnis stieg auf den hauseigenen Rekord von fast drei Mrd. Euro (siehe Grafik).

Nächste Abholungen

Sehr bald schon wird es die Veröffentlichung weiterer Kapitalspritzen geben. Die Gespräche des Bundes mit der Volksbanken AG sind abgeschlossen (es fehlt noch der Aufsichtsratsbeschluss), Raiffeisen ist in der Zielgeraden.
Auch die Bank Austria bereitet sich vor: Ihre Mailänder Mutter UniCredit soll sich in Italien drei Mrd. Euro abholen wollen, heißt es. Und in Wien stattete Bankchef Alessandro Profumo am Freitag den Bankenaufsehern und OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny einen Besuch ab. (gra, tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2./1.3.2009)

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    Sorgenvoller Blick, hoffnungsvolle Worte: Der Chef der Erste-Group, Andreas Treichl,
    ist sicher, dass die Bank mit dem frischen Kapital ausgesorgt hat.

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