Schmieds Brief an die Lehrer

26. Februar 2009, 21:23
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Alternative wäre Einsparung beim Angebot gewesen - Längere Unterrichtszeit "zumutbar"

Wien - In einem Brief, der noch am Donnerstag an alle Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter ausgeschickt wird, verteidigt Unterrichtsministerin Claudia Schmied die angekündigte Ausweitung der Unterrichtsverpflichtung für alle Lehrer als "unabdingbare Maßnahme". Sie habe sich aufgrund der Wirtschaftslage und des daher nur gering erhöhten Budgets zwischen Einsparungen beim Angebot oder einem erhöhten "Einsatz" der Lehrer im Klassenzimmer entscheiden müssen. Diese Maßnahme sei den Lehrern "zumutbar", so Schmied. Im Folgenden der Brief im Wortlaut:

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"Österreich, Europa und die gesamte Welt befinden sich in der größten Wirtschaftskrise seit 1945. Die Auftragslage der Wirtschaft verzeichnet besorgniserregende Einbrüche, Kurzarbeit und Entlassungen sind traurige Realität. Viele Menschen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Die Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Menschen, steigt an.

Die Bundesregierung setzt engagierte Schritte gegen diese Krise: Investitionen zur Konjunkturbelebung, Stabilisierungsmaßnahmen für den Finanzmarkt und Beschäftigungsprogramme. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist für alle eine große Herausforderung. Auch budgetär. Wir dürfen das Budget nicht aus dem Ruder laufen lassen.

Vor diesem Hintergrund wurden die Budgetgrundlagen des Finanzministeriums erarbeitet. Das Bildungsministerium erhält als eines von wenigen Ressorts ein höheres Budget. Allerdings reicht diese Erhöhung nicht aus, um die von der Bundesregierung ambitionierten Verbesserungen in den Schulen zu realisieren. Verbesserungen, die für unsere Kinder notwendig sind. Strukturmaßnahmen im Personalbereich werden vom Finanzminister gefordert.

Kleingruppenunterricht, kleinere Klassen, Förderkurse, Deutschkurse, bessere Ausstattung der Schulen, Ausweitung der Tagesbetreuung, Lehre und Matura, Verbesserung des berufsbildenden Schulwesens, Erhöhung des Fortbildungsangebotes - alle diese Maßnahmen kosten Geld. All diese Maßnahmen sind durch die Budgetvorgaben alleine nicht leistbar.

Es gäbe daher nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir reduzieren das Angebot für unsere Kinder, kürzen bei knappem Budget Schulstunden, vergrößern die Klassen wieder, streichen Förderkurse und stoppen damit die Bildungsreform. Oder wir erhöhen den Einsatz unserer Lehrerinnen und Lehrer im Klassenzimmer.

Wer an die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes denkt, muss sich für einen Solidarbeitrag der Lehrerinnen und Lehrer entscheiden. Denn: Niemand will eine Jugend ohne Perspektive. Was passiert, wenn man bei der Bildung spart, haben wir vergangenes Jahr bei den Ausschreitungen in Griechenland erlebt. Mit mir wird es keine Kürzungen bei der Bildung der Kinder geben.

Vor dem Hintergrund internationaler Gegebenheiten ist eine Anhebung der Zeit im Unterricht ein vertretbarer Solidarbeitrag der Lehrerinnen und Lehrer, zumal diese Leistung für bildungspolitisch so wichtige Programme, wie etwa mehr Förderkurse oder mehr Kleingruppen eingesetzt wird. Die Leistung kommt der Bildung unserer Kinder zu gute.

Wir wollen die beste Bildung für alle Kinder. Es geht nicht um Sparen, um Abbau der Lehrer, um Stundenkürzen, um Leistungsabbau. Ganz im Gegenteil! Es geht um eine Ausweitung des Angebotes, um mehr Beschäftigung der Lehrer im Klassenzimmer, damit wir in der Bildung endlich an internationale Spitzenleistungen anschließen. Es geht auch um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer. Die Verkleinerung der Klassen war ein wichtiger Schritt. Auch investieren wir in die Lehrer-Ausbildung und in die Schulbauten.

Der Beitrag der Lehrerinnen und Lehrer ist für die Verwirklichung der Verbesserungen unserer Schulen entscheidend. Wenn sich jetzt manche Funktionäre im Ton vergreifen, dann verkennen sie den Ernst der Lage.

Diese Maßnahme ist unabdingbar. Diese Maßnahme ist im Hinblick auf internationale Gegebenheiten und als Re-Investition in das Bildungssystem auch zumutbar. Deshalb fordere ich von den Lehrerinnen und Lehrern diesen Solidarbeitrag ein. Die Bildung unserer Kinder und die Fortsetzung des Reformkurses sind meine Motivation." (APA)

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