Hüter für Recht und Hausordnung

26. Februar 2009, 20:05
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Es wird auf Grund einer Mieterbefragung von Wiener Wohnen Reformen im Gemeindebau geben

Wien - Jetzt, da sie die Diagnose haben, kann die Operation (am) Wiener Gemeindebau beginnen. In Rust präsentierte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei der SPÖ-Klubklausur Maßnahmen, die er aus den Ergebnissen der jüngst abgeschlossenen Befragung unter Mietern abgeleitet hat.
Zur Erinnerung: 220.000 Mieter erhielten einen Bogen mit Fragen zu ihrer Wohnsituation, 45.000 schickten ihn auch beantwortet zurück. Das Ergebnis: 85 Prozent der Befragten fühlen sich in ihrer Wohnung sehr wohl oder wohl. Die Hälfte bemängelt aber, dass sich die Nachbarn nicht an die Hausordnung hielten. Bemerkenswert war auch, dass interkulturelle Konflikte - sie firmieren unter Nachbarschaftskonflikte - dort am größten waren, wo die Gemeindebauten sanierungsbedürftig sind. Hier will Ludwig auch ansetzen:

  • Sanierung: Mit 164 Millionen Euro sollen fast 8000 Wohnungen saniert werden. Im Wahljahr 2010 sind knapp 10.000 Wohnungen dran. Die Sanierung von Wohnungen soll zentral gesteuert werden: Ein Sanierungskataster soll erstellt werden. Jährlich sollen auch 80 Objekte nominiert werden, die am dringendsten zu renovieren sind.
  • Dialog: Schon in den kommenden Wochen wird eine Gratis-Hotline für Mieter eingerichtet. Ein spezieller Wiener-Wohnen-Bus soll ab 9. März, vorerst einmal im 12. Bezirk, Wohnhausanlagen anfahren. Dort können sich die Mieter vor Ort beschweren und loben. Künftig sollen Mietverträge auch gleich in der Wohnung unterzeichnet werden - (muttersprachliche) Beratung, Hausführung und Vorstellen der Nachbarn inklusive. Die Gebietsbetreuer, die als Konfliktmanager fungierten, soll neu organisiert werden. Unter dem Namen „Wohnpartner" wird die Gebietsbetreuung in den Wohnservice Wien eingegliedert, um nicht alle Jahre wieder neu ausgeschrieben werden zu müssen. Damit sollen fixe Ansprechpartner erhalten bleiben.
  • Wohngemeinschaften: Um die soziale Durchmischung zu gewährleisten, will Wiener Wohnen auch die Wohnungsvergabe reformieren. Geplant sind Wohngemeinschaften für Senioren und Studenten. Es sollen auch mehr gut verdienende und junge Wiener in den Gemeindebau ziehen: Die Einkommensgrenze wird angehoben .
  • Ordnung: Projekte, bei denen Gebietsbetreuer für Ruhe und Ordnung sorgen sollen, werden ausgeweitet. So genannte Ordnungsberater sollen auf ihren Runden durch die Gemeindebauten auf Verstöße gegen die Hausordnung (Müllablagerung oder Hundekot) aufmerksam machen. Die „Nightwatch" soll nächtliche Lärmerreger zur Ruhe mahnen.

Die Opposition frohlockt: Endlich habe Ludwig Fehler zugegeben, heißt es seitens der ÖVP. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2009)

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