Sozialstatus lässt sich anerziehen

26. Februar 2009, 19:42
6 Postings

Zumindest unter Hyänen: Die Jungen erlernen von den Müttern ihren zukünftigen Rang im Rudel

Berlin - Hyänenjunge erben den Sozialstatus ihrer Mutter, indem sie deren Verhalten beobachten und selbst imitieren. Zu diesem Schluss kommen Zoologen am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in der Fachzeitschrift Behavioral Ecology. Sie erforschten zwei Jahrzehnten lang Tüpfelhyänen in der tansanischen Serengeti und am Ngorongoro-Krater.

"Hyänenmütter unterstützen ihre Jungtiere bei Auseinandersetzungen mit anderen Weibchen. Gleichzeitig lernen jedoch die Jungen, wen ihre Mutter dominieren kann. Sobald sie erwachsen sind, verteidigen sie diese Position und befinden sich nur einen Rang unter dem der Mutter", so Studienautor Oliver Höner.

Erforscht wurde dieser Mechanismus an Hyänenjungen, bei denen die Molekulargenetik bestätigen konnte, dass sie adoptiert wurden. Dazu war umfangreiches statistisches Material nötig. "Bei den 1.500 Würfen, die wir in 20 Jahren erforschten, gab es ein Dutzend Adoptionen", berichtet Höner. Die Anlässe für die Adoptionen waren durchaus verschieden.

Adoption...

"Einige Weibchen verloren ihren Wurf früh, besaßen jedoch genügend Milch, um andere Jungtiere anzunehmen. Manchmal geschah dies aus Verwechslung, besonders wenn erstgebärende Mütter mit wenig Erfahrung ihre Jungen im Gemeinschafts- statt wie üblich in einem separaten Geburtsbau zur Welt brachten." In einem Fall wurde beobachtet, dass das Jungtier so lange bei einer fremden Mutter zu saugen versuchte, bis diese nachgab und es adoptierte.

Bisher war unklar, wie der Rang bei Hyänen weitergegeben wird. Man hatte spekuliert, dass Hyänenmütter die Rangposition entweder über die Gene oder über einen erhöhten Hormonspiegel in der Schwangerschaft vererben. "Durch den Trick, adoptierte Tiere zu beobachten, konnten wir die Bedeutung des Verhaltens zeigen und zugleich hormonelle und genetische Mechanismen ausschließen", so Höner.

... bewirkte keine Rangunterschiede

Denn zwischen adoptierten und leiblichen Tieren gab es keine Rangunterschiede. Besonders spannend ist für den Berliner Zoologen, dass derart wichtige Funktionen in einer Tiergesellschaft über das Verhalten gesteuert werden. Denn der Sozialstatus sei für Überleben und Fortpflanzungserfolg der Hyänen noch viel bedeutender als Umwelteinflüsse, Fressfeinde oder Krankheitserreger. "Damit wurde deutlich, dass die Sozialität bei Hyänen immens wichtig ist", sagt Höner.

Die sozialen Gruppen der Hyänen zählen zu den am höchsten entwickelten Gesellschaften unter den Säugetieren. "Im Lauf der Evolution hat sich bei Hyänen das gemeinsame Leben und jagen als sehr erfolgreich erwiesen. Dank dieses Prinzips haben sich die Hyänen, die es schon zur Zeit der Säbelzahntiger gab, kaum verändert." Die Weibchen haben im Hyänenreich übrigens klar das Sagen. "Sie übernehmen die Aufzucht und lassen die Männchen, die nur bei der Zeugung Bedeutung haben, nicht an den Bau. Männchen sorgen zwar für Beute, müssen aber mehr jagen, da ihnen die Weibchen die Beute oft wegstehlen", so der Zoologe. (pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hyänen geben ihren sozialen Status durch Erziehung an ihre Nachkommen weiter.

Share if you care.