Mehr ist leider nicht besser

26. Februar 2009, 18:27
54 Postings

Die Jungen wird man wohl vor den Eingesessenen raushauen - Von Thomas Mayer

Der schwarze Finanzminister hat die rote Unterrichtsministerin beim Budget über den Tisch gezogen. Weil es Sozialdemokratin Schmied daher sehr an Geld für Lehrer fehlt, greift sie zur konservativsten Maßnahme: Die Lehrerstrukturen bleiben, wie sie sind, nur sollen alle Lehrer halt mehr unterrichten. Das Ganze ohne Differenzierung nach Schultyp, Lehrplan, Betreuungslage, ohne Rücksicht auf das Problemgefälle zwischen Stadt und Land wie auf die großen Unterschiede bei Lehrergehältern.

Das geht, weil unausgegoren, voll auf Kosten der Schüler - und der Junglehrer. Wenn man so will: zulasten der Zukunft. Pisa-Studie und das schlechte Abschneiden österreichischer Schüler lassen grüßen! Wir investieren lieber in 1000 zusätzliche Polizisten als in Pädagogen und (Vor-) Schulbildung. Wirft man einen Blick auf die Altersstruktur der Lehrer, könnte man glauben, Schmied wolle den Betonierern in der Gewerkschaft groteskerweise in die Hände spielen - und das Orchester einer Front von "Die Lehrer sollen endlich was hackeln"-Kritikern spielt dazu.

Die Lehrer gibt es nicht. Nur rund ein Viertel aller Lehrer ist jünger als 40, nicht privilegiert, mit Kurzverträgen angestellt, eher mäßig bezahlt. Die wird man wohl als erste raushauen, dafür werden Neugebauer & Co beim Stundenverteilen schon sorgen. In den Klassen bleiben die Eingesessenen, die weniger vorbereitet mehr unterrichten, bei gleichen Bezügen. Solidarität in schlechten Zeiten schaut anders aus. (Thomas Mayer/DER STANDARD Printausgabe, 27. Februar 2009)

Share if you care.