Weniger ist nicht mehr

26. Februar 2009, 18:23
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Schule soll stets eine Vorbildfunktion haben - auch was die Arbeitsmoral betrifft - Von Markus Rohrhofer

Kaum ein Land bietet seinen Lehrern wohl attraktivere Arbeitsbedingungen als Österreich: vierzehn Wochen jährlich bezahlter Urlaub, zumindest im AHS-Bereich durchaus stattliche Gehälter, großzügige Karenzmöglichkeiten, einen schnellen Ausbildungsweg im Pflichtschulbereich, eine unkündbare Stellung für jene, die lange genug dabei sind, und eine verhältnismäßig geringe Lehrverpflichtung. Vor diesem Hintergrund wird der stete Reform-Unwille der Lehrer - der starken Gewerkschaft im Rücken sei's gedankt - beinahe schon unerträglich. Dabei sind Veränderungen im heimischen Bildungswesen dringend notwendig. Und werden auch dankend angenommen, wie etwa die Neue Mittelschule zeigt.

Und es ist naiv zu glauben, dass grundlegende Reformen so nebenbei aus der Minister-Portokasse finanziert werden. Jetzt stehen zur Sicherung der Bildungsqualität zwei Mehrstunden, in pädagogischer Zeitrechnung zumindest auf dem Papier vier Stunden, zur Debatte, und der Aufschrei ist so groß, als würde plötzlich die 40-Stunde-Woche Einzug in die Klassenräume halten. Es ist einer Personengruppe mit den besagten Regenerationsmöglichkeiten durchaus zumutbar, sich zwei Stunden mehr hinter den Katheder zu klemmen. Das Argument, dass neben den Stunden in der Schule für Lehrer auch noch 20 Stunden an pädagogischer Hausarbeit anfallen, hat nur bedingt seine Berechtigung: für Neueinsteiger mit Sicherheit, für erfahrene Lehrer wohl kaum. Zur Erinnerung: Schule soll stets eine Vorbildfunktion haben - auch was die Arbeitsmoral betrifft. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe, 27. Februar 2009)

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