ORF-Direktor erwartet am 2. April "D-Day"

26. Februar 2009, 18:28
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"Mehrere Optionen", darunter "natürlich", "dass diese Geschäftsführung fällt" - Wrabetz besuchte Kanzler Faymann

ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz hat nach dem Programmausschuss neue Erwartungen an den Stiftungsrat am 2. April: Wird doch ein „D-Day", sagte er Donnerstag seinen Hauptabteilungschefs: „Die Lage ist ernst". Lorenz nannte bei der Sitzung „mehrere Optionen" dafür. „Natürlich" auch jene, „dass diese Geschäftsführung fällt".

Am 2. April soll die ORF-Führung ein Strategiekonzept vorlegen. Die Stiftungsräte forderten da „weniger Feuilleton, keine Diskussion", sagte Lorenz. Sie wollten konkrete „Programmmöglichkeiten und -unmöglichkeiten" für 2010 und 2011 samt „Preisliste".

ORF-General Alexander Wrabetz könnte am 2. April die Abwahl seiner Direktoren beantragen. Wrabetz erkrankte Mittwoch offenbar unter dem Druck der (politischen) Angriffe; er fehlte, zunächst unbegründet, im Programmausschuss. Dienstag besuchte er noch die „Knochenmann"-Kinopremiere.

Wrabetz beim Kanzler

Auch heute, Freitag, hat Wrabetz nach ORF-Auskunft alle Termine gestrichen. Tatsächlich beriet er sich Donnerstag mit Beamten der Medienabteilung des Kanzleramts, die für ORF-Gesetz und EU-Verfahren gegen den ORF zuständig sind.

Wrabetz traf am Ballhausplatz nach bestätigten STANDARD-Infos Kanzler Werner Faymann. Über Themen schwiegen beide Seiten.

Faymann wünschte sich gerade in der Tiroler Tageszeitung noch heuer einen kleineren Stiftungsrat, fände eine kleinere Geschäftsführung „prinzipiell gut", schloss einen neuen General nicht aus. Faymann wörtlich und grundsätzlich: "Die Konsequenz, alle Manager zu halten, kann sehr teuer sein." Die ORF-Führung vorzeitig abzulösen, kostet allerdings auch ein paar Millionen Euro.

(fid/DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2009)

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