8000 Häuser in Lawinen-Gefahrenzonen

26. Februar 2009, 18:39
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Experten rechnen wieder mit deutlich höherer Lawinengefahr - 870 Risikogebiete sind in Österreich bereits bekannt

Wien/Bregenz - Die Entwarnung hielt nicht lang. Bereits am Freitag rechnen Meteorologen wieder mit intensivem Schneefall entlang des Alpennordkamms. Bis zu einem halben Meter Neuschnee soll es in den Bergen noch einmal geben, zudem wird stürmischer Wind vorhergesagt. Und damit steige auch die Lawinengefahr deutlich an. Am Wochenende sei zumindest wieder mit Gefahrenstufe vier zu rechnen, sagt Alexander Podesser, Leiter es Lawinenwarndienstes bei der ZAMG.

870 Lawinenrisiko-Gebiete sind in Österreich bekannt, die meisten davon befinden sich in Tirol (330), gefolgt von Vorarlberg (152) und Oberösterreich(135). Die Zunahme der Besiedelungsdichte in potenziell gefährdeten Gebieten sowie Klimaänderungen würden das Lawinenrisiko weiter erhöhen - zu dem Schluss kommt eine Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Derzeit befinden sich 8000 Gebäude in Gefahrenzonen. Davon seien an die 1000 in Regionen mit roten Warnhinweisen.

Dennoch werden im Gegensatz zu früher immer weniger Bewohner von Siedlungen Opfer von Lawinen. Pro Jahr würden in Österreich etwa 150 Personen verschüttet, rund 30 davon sterben, heißt es weiters in der Wifo-Studie. Dieser Durchschnitt habe sich seit Jahrzehnten kaum geändert, sehr wohl aber die Hintergründe der Opfer: So seien es heute fast ausschließlich Freizeitsportler - allen voran Tourengeher und Skifahrer im ungesicherten Gelände.

Notruf aus der Lawine

Wie am Mittwoch im Skigebiet Golm/Montafon. Ein deutscher Tourengeher fuhr trotz Lawinenwarnung ins freie Gelände und wurde von einer Lawine verschüttet. Sein Glück: Er konnte mit seinem Handy die Notrufnummer 144 wählen. Sein Pech: Der Mann in der Leitzentrale erklärte sich für nicht zuständig, der Anrufer möge 140 (alpine Bergrettung) anrufen. Machte er auch. 140 wusste aber nicht, wo der Golm ist. Glücklicherweise hatte der Verschüttete auch noch die Nummer der lokalen Bergrettung gespeichert. Wenig später wurde er gerettet.

Die Geschichte klinge kraus, sei aber wahr, so Bergrettungschef Gebhard Barbisch. Dass ein Anruf bei 144 nicht zur Hilfe führt, dürfe nicht sein. Nun wird geklärt, warum der Notruf nicht bei der Vorarlberger Rettungsleitstelle gelandet ist, sondern in Tirol. Der Fehler wird im Routing vermutet. Im Grenzgebiet komme es öfters vor, dass Anrufe in der Leitstelle St. Gallen landen. (jub, ker/DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2009)

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    Erst unmittelbar vor Eisenerz machte am Mittwoch eine Lawine halt - Das Lawinenrisiko wird laut Wifo in Zukunft noch steigen, weil in potenziellen Risikogebieten weiter gebaut werde

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