2009 wird schwierig für Europas Immo-Branche

26. Februar 2009, 16:55
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PwC sieht Mangel an Liquidität - Wien wird von Investoren als relativ sicher eingestuft

Wien - 2009 wird ein schwieriges Jahr für die europäische Immobilienbranche. Der drohende Zusammenbruch des amerikanischen und europäischen Bankensystems durch die Finanzkrise habe dem Immo-Sektor "einen nahezu vernichtenden Schlag versetzt". Angewiesen auf Kredite treffe diese Branche die jetzt fehlende Liquidität am Markt besonders hart, sagten Real-Estate-Experten des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers am Donnerstag.

Rückbesinnung auf "good old Europe"

"Egal ob die Krise 12 oder 18 Monate dauert - dann geht es wieder aufwärts", meinte Bereichsleiter Helmut Trappmann von PwC Deutschland. Jetzt laute die Devise: Rückbesinnung auf nachhaltige Werte und Länder mit niedrigem Risiko, etwa "good old Europe".

Die fehlende Liquidität, die Finanzierungskrise sei eine "dramatische Wendung" am Markt, und es werde einer "gehörigen Portion guter Nerven bedürfen, um dies durchzustehen", meinte Wolfgang Vejdovsky, Leiter von Real Estate bei PwC Österreich.

Preisanstiege nur in Top-Lagen

Die Investoren hätten wenig Hoffnung auf eine "Rettung des Immobilien-Sektors" oder darauf, dass die teils mit Staatshilfe agierenden Banken ihr Geld in Immo-Investments stecken würden. Bei Gewerbeimmobilien sinke durch die Wirtschaftskrise die Nachfrage, so Trappmann, und Wohn-Projekte seien mit Zeitverzögerung ebenfalls betroffen; lediglich in Top-Lagen geben es hier trotz der Rezession Preisanstiege.

Bei Immo-Finanzierungen würden nun zwar höhere Eigenkapitalquoten von zumindest 50 Prozent, teils auch 60 Prozent, verlangt, sagt Vejdovsky, doch bekomme man Bankenfinanzierungen - auch für Osteuropa - durchaus zu moderaten Zinssätzen. Schwer zu finanzieren seien vor allem große Deals.

Wien steht gut da

Wien steht unter 27 europäischen Immo-Märkten als Standort zwar nur an 17. Stelle, hat eine PwC-Befragung von 500 Branchen-Playern in ganz Europa ergeben, doch rangiert Wien in punkto Risiko auf Platz 9 und wird damit als relativ sicher für Investoren eingestuft. Wien könne sich zwar dem allgemeinen Abwärtstrend nicht widersetzen, das Investment in der Donaumetropole bleibe aber relativ stabil, so Vejdovsky. Der Trend der seit 2007 gesunkenen Entwicklungsaussichten am Wiener Immo-Markt werde sich 2009 fortsetzen.

Als Top-Standorte für Immo-Investments werden München und Hamburg, gefolgt von Istanbul und Zürich angesehen, danach folgen London und Moskau. Die Wachstumschancen in München würden freilich zu Ende gehen, sagt Trappmann. Der Türkei mit ihrer jungen Bevölkerung gibt er auch künftig gute Wachstumschancen. London könnte langfristig darunter leiden, dass US-Investorengelder gleich nach Asien fließen statt über die britische Metropole nach Europa. Als risikoreichster Markt wird Moskau eingestuft, gefolgt von Dublin und Madrid.

Die Aussichten auf den CEE- und SEE-Märkten sind laut PwC sehr differenziert zu sehen. In Moskau, Warschau und Prag zeige sich weiterhin hohes Kaufinteresse. Warschau und Prag seien stabile osteuropäische Märkte, die sich gut positioniert hätten und mit westeuropäischen Städten vergleichbar seien, so Vejdovsky. Budapest falle dagegen wegen des befürchteten Staatsbankrotts zurück. (APA)

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    Als Top-Standorte für Immo-Investments werden München und Hamburg (Bild) angesehen, gefolgt von Istanbul und Zürich. Wien liegt in der Befragung von 500 Branchen-Playern unter 27 Metropolen auf Rang 17.

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