"Eigentum auf Pump wird nachlassen"

26. Februar 2009, 16:46
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Gemeinnützigen-Obmann Wurm glaubt an ein Ende der Spekulationswelle - Kritik an Liquiditätsaufschlägen der Banken

Der Trend geht klar in Richtung selbstgenutztem Eigentum, die Zeit der Immobilie als kurzfristiges Anlagegut ist vorbei - für Karl Wurm, den Obmann des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Wohn- und Immobiliensektor offensichtlich. "Das Eigentum auf Pump wird nachlassen, auf absehbare Zeit wird es keine neue Spekulationswelle geben", glaubt er.

Durch die starke Marktposition der Gemeinnützigen sei eine Immobilienkrise hierzulande jedenfalls gar nicht erst entstanden, und die GBV-Mitgliedsunternehmen würden auch weiterhin "unter widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einer stabilen Neubauproduktion verlässlich zur Wohnversorgung beitragen", versprach der Verbandschef auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.

Nachfrage eingebrochen

13.900 Wohneinheiten wurden von den Gemeinnützigen im Vorjahr fertiggestellt - ein Rückgang um 23 Prozent gegenüber 2007, wofür aber in erster Linie die Verzögerungen bei einigen Großprojekten verantwortlich zeichnen. Heuer wird wieder mit einem kräftigen Anstieg auf 16.100 neuen Wohnungen gerechnet, weil von den derzeit in Arbeit befindlichen Wohnungen ein überdurchschnittlicher Prozentsatz schon in weit fortgeschrittenem Stadium sei.

Die 190 GBV-Mitgliedsvereinigungen haben derzeit allerdings ohnehin mit geringer Nachfrage zu kämpfen: Mieter bzw. Käufer wollen sich in Krisenzeiten bei den Finanzierungen nicht mehr so lange binden, andererseits werde sich auch die steigende Arbeitslosigkeit negativ auswirken, glaubt Wurm. Außerdem finden derzeit auch weniger Umzüge statt, die Menschen bleiben sicherheitshalber länger in der möglicherweise schon etwas zu kleinen Wohnung.

In Wien gebe es zwar nach wie vor einen Kampf um gute Grundstücke, auch die Preise seien unverändert hoch. Auf dem Land sei das aber bereits anders, hier sind die gemeinnützigen Bauvereinigungen etwas vorsichtiger geworden.

"Banken geben Zinssenkungen nicht weiter"

Größere Probleme haben derzeit die privaten Bauträger. "Bei vielen stehen Projekte still, weil sie keine Finanzierung bekommen." Von Privaten werde zumindest ein Eigenkapitalanteil von einem Drittel verlangt.

In diesem Zusammenhang übte Wurm auch scharfe Kritik an den heimischen Banken: Deren Liquiditätsaufschläge bei Finanzierungen für gemeinnützige Wohnbauträger seien schlicht zu hoch; "die Zinssenkungen der EZB werden nicht weitergegeben", weshalb man diese auch nicht an die eigenen Kunden weitergeben könne.

Derzeit lägen die Aufschläge bei 0,4 bis 1,5 Prozentpunkten auf den 6-Monats-Libor von rund 1,95 Prozent, vor der Finanzkrise seien es 0,1 bis 0,6 gewesen. Er habe den Verdacht, dass es hier nicht nur um reine Liquiditätskosten der Banken gehe, sondern dass auch "der Faktor Eigenkapitalsammeln eine Rolle spielt", sagte der GBV-Chef, der auch bedauerte, dass es zu keiner Einbeziehung der Wohnbauanleihen in die Einlagensicherung gekommen sei. Die Gemeinnützigen und ein Teil der Wohnbaubanken hatten dies seit der Verschärfung der Finanzkrise im Herbst gefordert.

Wenn Private keine Wohnbauanleihen zeichnen, "kostet uns die Finanzierung bei eineinhalb Jahren Laufzeit 200 bis 250 Basispunkte (2 bis 2,5 Prozent, Anm.) mehr", weil die fehlenden Mittel für den Wohnbau über den normalen Geld- und Kapitalmarkt finanziert werden müssen.

Sanierungen im Steigen

Das Neubauvolumen der Gemeinnützigen wuchs von 2002 bis 2008 preisbereinigt von knapp 1,49 auf 1,93 Milliarden Euro, nominell von 1,6 auf fast 2,5 Milliarden. Samt nominell 620 Mio. Euro Sanierungen betrugen die Investitionen 3,1 Mrd. Euro, die Sanierungen machten somit ein Fünftel des Bauvolumens aus. Real verdoppelte sich das Sanierungsvolumen von 241 Mio. Euro im jahr 1997 auf 456 Mio. Euro im Vorjahr.

Zuletzt sanierten die Gemeinnützigen 14.000 Mietwohnungen pro Jahr, was einer Sanierungsrate von 3,1 Prozent entspricht. Im Bereich der Gemeinnützigen könne der CO2-Ausstoß damit jährlich um 45.000 Tonnen reduziert werden, erklärte Wurm.

Sonderwohnbauprogramm gefordert

Der GBV-Obmann verlangte am Donnerstag weiters ein mit 250 Millionen Euro dotiertes Sonderwohnbauprogramm, insbesondere auch um Konjunktur und Arbeitsmarkt anzukurbeln. Die Zuteilung dieser Mittel - etwa ein Zehntel der jährlichen Wohnbauförderung in Österreich - könnte dabei über "eine vom Bund kontrollierte zentrale Bank" erfolgen, etwa die sich zu hundert Prozent in Staatsbesitz befindliche Kommunalkredit, so Wurm. (Martin Putschögl, derStandard.at, 26.2.2009)

Tabelle: GBV-Neubauleistung: fertiggestellte Wohneinheiten in eigenen und fremden Bauten, nach Bundesländern:

Bundesland 2007 2008
Wien 5.138 3.251
Niederösterreich 3.276 2.675
Oberösterreich 2.174 1.700
Steiermark 1.847 1.354
Tirol 1.329 1.338
Salzburg 1.232 1.530
Burgenland 923 969
Kärnten 992 1.026
Vorarlberg 214 47
GESAMT 17.125 13.891
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    Gemeinnützigen-Obmann Karl Wurm verlangt ein "Sonderwohnbauprogramm" in Höhe von 250 Millionen Euro.

  • In Wien hat sich die Zahl der übergebenen Neubauwohnungen gemeinnütziger Wohnbauträger im Jahr 2008 gegenüber 2007 von 5.138 auf 3.251 reduziert (Bild: Übergabe des Wohnprojekts des Österreichischen Siedlungswerks in der Pogrelzstraße in Wien-Donaustadt im November), heuer dürften aber wieder mehr als 5.000 neue Wohneinheiten errichtet werden.
    foto: ösw

    In Wien hat sich die Zahl der übergebenen Neubauwohnungen gemeinnütziger Wohnbauträger im Jahr 2008 gegenüber 2007 von 5.138 auf 3.251 reduziert (Bild: Übergabe des Wohnprojekts des Österreichischen Siedlungswerks in der Pogrelzstraße in Wien-Donaustadt im November), heuer dürften aber wieder mehr als 5.000 neue Wohneinheiten errichtet werden.

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