Kündigungen in Unterland

26. Februar 2009, 15:59
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Der Papier- und Verpackungshersteller Mondi bekommt die Finanzkrise voll zu spüren: 2008 sank das EBIT um 13 Prozent

Wien - Der Papier- und Verpackungshersteller Mondi bekommt die Finanzkrise voll zu spüren. 2008 ging das operative Ergebnis (EBIT) der von Wien aus geleitete Division Europe & International im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 334 Mio. Euro zurück. Der Umsatz sei mit 5,2 Mrd. Euro "de facto" konstant geblieben, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Die gesamte Mondi-Gruppe erzielte 2008 ein EBIT von 441 Mio. Euro (-12 Prozent). Aufgrund von Sonderabschreibungen und andere einmalige Kosten kam es zu einem Jahresverlust vor Steuern von 103 Mio. Euro.

In Österreich sei es gelungen, alle zehn Produktionsstandorte zu sichern, während in Großbritannien, Ungarn, Dänemark und Spanien Werke geschlossen wurden. Die Konjunkturflaute verschont Österreich dennoch nicht: Am Tiroler Standort Unterland werden 90 Mitarbeiter gekündigt. Die Verhandlungen mit den Mitarbeitervertretern haben in Tirol bereits begonnen und es werde ein Sozialplan für die Betroffenen ausgearbeitet.

"Nachdem wir bereits im Dezember 2008, unter Berücksichtigung der damals aktuellen Finanzkrise, in zwei von acht Produktionsbereichen am Standort Unterland Kurzarbeit eingeführt hatten, zeigt sich nun, dass in Folge der nachhaltig schwierigen wirtschaftlichen Gesamtentwicklung leider weitere entsprechende Anpassungen notwendig sind", sagte der CEO von Mondi Europe & International, Peter Oswald. Die Kündigungen stellen "aus heutiger Sicht sicher", dass knapp 300 der insgesamt 380 Arbeitsplätze an dem Standort erhalten bleiben.

In Unterland werden pro Jahr 73.000 Tonnen Industriefolien, landwirtschaftliche Folien, sowie Spezialfolien für die pharmazeutische und Konsumgüterindustrie produziert. Österreichweit beschäftigt die Mondi AG rund 3.000 Mitarbeiter.

Ungestrichene Feinpapiere gegen den Trend

Innerhalb von Mondi Europe & International konnte der Geschäftsbereich "Uncoated Fine Paper" (ungestrichene Feinpapiere) sein Ergebnis - entgegen dem Branchentrend - um 27 Prozent auf 126 Mio. Euro verbessern. Zu diesem Geschäftsbereich gehört in Österreich das Unternehmen Mondi Neusiedler in Hausmening und Kematen. Auch im Bereich "Bags & Specialities" (Industriesäcke und Spezialitäten) konnte das Ergebnis um 3 Prozent auf 159 Mio. Euro gesteigert werden. Zu diesem Bereich gehören in Österreich unter anderem die Standorte in Frantschach, Zeltweg, Hilm und Korneuburg. Aufgrund des Volumens- und Preisverfalls verzeichnete der Geschäftsbereich "Corrugated" (Wellpappe) einen Rückgang von 63 Prozent auf 49 Mio. Euro. Hierzulande zählen die Standorte Frohnleiten, Grünburg und Möderbrugg zu diesem Segment.

Trotz des schwierigen Geschäftsumfeldes führt Mondi Europe & International seine beiden Großprojekte in Russland und Polen mit einem Investitionsvolumen von 875 Mio. Euro "unverändert fort". Aufgrund der rückläufigen Auftragssituation wurde aber entschieden, eine Papierfabrik in Bulgarien und eine Papiermaschine in Schweden bis auf weiteres still zu legen. Aufgrund der "soliden Finanzierung und wettbewerbsfähigen Kostenstruktur" blickt Mondi trotzt der aktuellen Entwicklungen "zuversichtlich nach vorne".

Mondi ist ein britisch-südafrikanischer Papierkonzern, der 35.000 Mitarbeiter in 35 Ländern weltweit beschäftigt. (APA)

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