"Pan Tadeusz" kommt nach Wien

26. Februar 2009, 15:58
posten

Österreichische Nationalbibliothek zeigt "Polens historische Schätze" - Polnisches Nationalinstitut Ossolineum gastiert im Prunksaal

Wien - Am Donnerstag Abend wird im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) die Ausstellung "Polens historische Schätze. Das Nationalinstitut Ossolineum zu Gast in Wien" eröffnet. 165 Exponate, darunter überaus wertvolle Objekte zur Geschichte Polens, stellen die bedeutende Institution vor, die 1817 von dem polnischen Adeligen, Sammler und Gelehrten Joseph Maximilian Graf Ossolinski (1748-1826) gegründet wurde. Dass die heutige Presse-Preview in frostiger Atmosphäre verlief, lag nicht an den unterkühlten österreichisch-polnischen Beziehungen: Der Prunksaal ist nicht beheizbar.

ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger wies darauf hin, dass Ossolinski 1809 bis 1826 als Präfekt der Hofbibliothek in Wien "einer meiner Vorgänger" gewesen sei. Auf sein Wiener Wirken nehmen einige Ausstellungsstücke Bezug, die aus den Beständen der Nationalbibliothek stammen. Auch Adolf Juzwenko, der Direktor der Nationalstiftung Ossolineum in Wroclaw (Breslau), betonte, es sei für ihn angesichts der Tatsache, dass Ossolinski einst in diesen Räumen gearbeitet habe, eine "sehr emotionale und sentimentale Reise" nach Wien gewesen.

Die Stiftung, die ihren Gründungssitz in Lemberg, der damaligen Hauptstadt des zum Habsburger-Reich gehörenden Gallizien, hatte, spiegelt nicht nur in ihren Sammlungsstücken die wechselvolle polnische Geschichte wider: Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat sie ihren Hauptsitz in Wroclaw, ein Teil der insgesamt fast zwei Millionen Objekte umfassenden Sammlungen befindet sich jedoch in der Stefanyk-Bibliothek in Lemberg, das heute zur Westukraine gehört. Ossolinski-Direktor Juzwenko hob die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Institutionen hervor, auch 21 Ausstellungsstücke stammen von dort.

Nationalepos "Pan Tadeusz"

Im Zentrum der Schau steht "das wertvollste Zeugnis der polnischen Kultur" (Kuratorin Malgorzata Orzel), die Handschrift des Nationalepos "Pan Tadeusz" von Adam Mickiewicz (1798-1855), die "zum erste Mal den polnischen Boden verlassen" hat: "Was für die Griechen die Odyssee ist für die Polen 'Pan Tadeusz'", so die Kuratorin. Auch die Prachthandschrift des Krakauer Messbuches von Jan Haller aus dem 16. Jhdt. oder eine Rembrandt-Zeichnung zählen zu jenen wohl behüteten Zimelien, die selbst in Wroclaw nur selten zu bestaunen sind.

Aus Wiener Sicht besonders interessant sind Schriften und Dokumente, die auf die zweite Türkenbelagerung von 1683 hinweisen, darunter etwa ein von Polenkönig Jan III. Sobieski im Zelt von Kara Mustafa erbeutete Gebetsbuch mit Koran-Versen. Eine eigene Vitrine zeigt Medaillen und Handschriften der polnischen Nobelpreisträger von Czeslaw Milosz bis zu Lech Walesa. (APA)

Ausstellung "Polens historische Schätze"

Wo: Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien 1, Josefsplatz 1
Wann: 27.2. bis 29.3., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr

Link
+ ÖNB: Polens historische Schätze - Das Nationalinstitut Ossolineum zu Gast in Wien

Share if you care.