Wolkenverhangen und aufgebauscht

26. Februar 2009, 19:12
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"Stark bewölkt": Das Museum auf Abruf in Wien widmet den Wolken, den flüchtigen Himmelserscheinungen, eine Ausstellung

Wien - Überirdisch, darin stimmen Mythologien quer über den Erdball überein, sind sie - die Wolken. Überirdisch, denn schließlich gingen Gewalten wie Regen, Blitz und Donner aus ihnen hervor. In mythologischen Darstellungen, aber auch im Alten Testament, nimmt bisweilen auch Gott selbst nebulöse Gestalt an. Die Art, wie sich die flüchtigen Gebilde zusammenballten, gab etwa auch Aufschluss über die Laune des Höchsten. Schlüpfrig also die Stimmung im wohl berühmtesten mythologischen Wolken-Gemälde Wiens - Correggios Jupiter und Io aus dem Kunsthistorischen Museum. Zu schade, dass dem Museum auf Abruf, das dem Phänomen der Wolken in der bildenden Kunst aktuell eine Ausstellung widmet, solch Aufputz verwehrt bleibt. Auch mit zeitgenössischer Kunst allein wird man der Wolke als Motiv und Metapher Herr.

Statt einzelne Meisterwerke zu inszenieren, sucht die 77 Werke umfassende Schau das Betrachterauge mit Vielfalt - in Medien, Techniken und Stilen - zu becircen. Dramatischen Großformaten wie dem malerisches Sfumato imitierenden Himmelsfoto Norman Maiers oder Herwig Kempingers bewusst mit der Erinnerung an Alte Meister spielendem Lichtbild wünscht man jedoch mehr Erlebnisraum. Auch die beengende Box, die die vierteilige, mit dem Mittel der Überblendung spielende Diaprojektion Siegrun Appelts beherbergt, kommt dem luftigen Thema nicht gerade entgegen.

Trotz medialer Vielfalt dominiert die Fotografie. Auch Béatrice Dreux glaubt, nachdem sie vier Jahre lang Seestücke malte, an die Fotografie als adäquates Medium für flüchtige Wasserdampfformationen. Für Gabriele Sturm ist Aquarell die geeignetste Technik, um Farberscheinungen an Wolken einzufangen, und Hubert Roithner sieht in der augenscheinlichen Zufälligkeit von Wolkengebilden, die jedoch strengen Gesetzen der Natur folgen, Ähnlichkeiten zur abstrakten Malerei. Allerdings ist nicht alles, was im Werkverzeichnis unter dem Titel Wolke rangiert, auch wirklich eine: Jürgen Bauers Multiple, gefertigt für und bestempelt von Wolke 7, heißt tatsächlich 1,6 km und bezieht sich auf die Länge der Wiener Kaiserstraße. Trotzdem schön. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.2.2009)

musa.at

Bis 30. 5.

 

  • Digital errechnetes Seestück: Julie Monaco, "cs_01/8" von 2002.
    foto: monaco

    Digital errechnetes Seestück: Julie Monaco, "cs_01/8" von 2002.

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