Zu Urgroßmutters Zeiten war es stürmischer

1. März 2009, 18:20
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Klima-Experte: Über die vergangenen 130 Jahre gesehen zeichnet sich kein Trend zu einem verstärktem Sturmklima ab

Wien - Franz, Kyrill, Olli, Paula, Emma - Die Stürme der vergangenen zwei Jahre sind den Österreichern noch stark im Bewusstsein. Viele meinen, mit dem Klimawandel sei es hierzulande auch stürmischer geworden: "Der subjektive Eindruck täuscht", meinte Christoph Matulla, Klimatologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) anlässlich eines Vortrages auf der Hohen Warte am Mittwochabend. Über die vergangenen 130 Jahre gesehen zeichne sich kein Trend zu einem verstärktem Sturmklima ab.

Matulla hat in einer Forschungsarbeit das Sturmklima der vergangenen rund 140 Jahre in Europa und speziell in Österreich untersucht. Dass manche Menschen glauben, dass es stürmischer geworden ist, kann er nachvollziehen: "Wer nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, hat bis in die 90er Jahre hinein - vor allem in Nord-West Europa - eine Entwicklung zu immer stürmischerem Klima mitgemacht." Allerdings hätten auf der anderen Seite "unsere Groß- und Urgroßeltern um die Jahrhundertwende ganz eindeutig in stürmischeren Zeiten gelebt als wir".

Um die Jahrhundertwende am stürmischsten

Bei der Analyse der Jahre 1872 bis 2008 stellte sich die Periode um die Wende auf das 20. Jahrhundert als die stürmischste Zeit in Mitteleuropa heraus. Danach sei es zu einem Rückgang bis hin zu einem Minimum in den 30er Jahren gekommen, so Matulla. Später sei es bis in die 1990er Jahre wieder stetig stürmischer geworden und seither habe sich das Sturmklima wiederum ruhigeren Werten genähert. "Daran ändern auch die vergangenen Sturmserien nichts - die liegen im ganz normalen Schwankungsbereich", sagte der Experte.

"Klimawandel findet statt, das ist nachweisbar vor allem in thermischen Größen und das sehen wir z. B. bei der Abnahme kalter Nächte und der Zunahme von warmen", meinte Matulla. "Aber: Man sieht Klimawandel in anderen Größen - noch - nicht, z. B. bei Orkanen oder Stürmen." Zwar sei das Sturmklima in Europa und Österreich über die Jahrzehnte offensichtlich großen Schwankungen unterworfen - Jahrzehnten mit intensiverer Sturmtätigkeit folgen welche mit schwächerer - aber über die rund 140 Jahre gesehen sei kein Trend erkennbar. Das decke sich auch mit anderen internationalen Publikationen. Für seine Untersuchungen arbeitete Matulla mit Druckdreiecken, die sich aus Messungen in Wien, Kremsmünster und Prag bilden. (APA)

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    In den vergangenen 140 Jahren war der Zeitraum rund um die Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg die stürmischste Zeit in Mitteleuropa.

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