Amsterdamer Flugzeugunglück: Twitter berichtet als erster

26. Februar 2009, 13:27
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"Social Networks sind Gewinn für aktuelle Berichterstattung" - "Augenzeugen haben ihre persönlichen Eindrücke unmittelbar nach dem Absturz auf Twitter gepostet"

Wenn es darum geht, so schnell wie möglich über aktuelle Ereignisse zu berichten, hat das Internet gegenüber klassischen Medien wie Zeitungen und TV zumeist die Nase vorne. Dies bestätigte sich auch eindrucksvoll beim gestern, Mittwoch, bekannt gewordenen Flugzeugunglück einer türkischen Linienmaschine am Amsterdamer Flughafen. "Bereits wenige Augenblicke nachdem die Maschine der Turkish Airlines am Schiphol Flughafen abgestürzt war, tauchten die ersten Nachrichten über das Unglück auf Twitter auf", schildert Errol Arnett, internationaler Korrespondent beim Online-Newsportal iReport, gegenüber CNN. Die ganze Story habe sich erst über die aktuelle Berichterstattung auf dem Micro-Blogging-Portal richtig entfaltet, das auch das erste Bildmaterial zum tragischen Ereignis lieferte.

"Unmittelbar nach dem Absturz auf Twitter gepostet"

"Augenzeugen haben ihre persönlichen Eindrücke unmittelbar nach dem Absturz auf Twitter gepostet", stellt Arnett fest. Darin hätten die Nutzer der Web-2.0-Plattform den Schock über den Absturz und die Freude, als sie die ersten Überlebenden aus dem Flugzeugwrack heraustreten sahen, hautnah wiedergegeben. "Auch das erste weltweite Fotomaterial vom in Stücke gerissenen Turkish-Airlines-Flugzeug ist zunächst auf Twitter aufgetaucht. Aufgenommen hat es ein Augenzeuge, der während des Unglücks auf einer Autobahn nördlich der Absturzstelle unterwegs war", merkt Arnett an. Als CNN auf das Foto aufmerksam geworden sei, habe man sich sofort um eine Bestätigung von offizieller Stelle bemüht. "Nach wenigen Minuten starteten wir dann auch schon mit unserer Berichterstattung. Für mich ist das der Beweis, dass Social-Networking-Seiten durchaus ein echter Gewinn für die aktuelle Nachrichtenberichterstattung sein können", meint Arnett.

"Dem Leser muss zu jeder Zeit klar sein, dass derartige Inhalte nicht professionell journalistisch überprüft worden sind"

Gleichzeitig räumt der iReport-Korrespondent aber auch ein, dass neuen Nachrichtenmeldungen, die im Internet auftauchen, prinzipiell mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen sei. "Dem Leser muss zu jeder Zeit klar sein, dass derartige Inhalte nicht professionell journalistisch überprüft worden sind", gibt auch Eva Werner, stellvertretende Pressesprecherin des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), auf Anfrage von pressetext zu bedenken. Der Leser müsse sich auf die Darstellung der Fakten verlassen können. "Bei den Blog-Berichten ist sicherlich eine ganze Menge Wahrheit dabei. Es gibt jedoch keine Qualitätskontrolle und keine Möglichkeit, die dort enthaltenen Informationen auf ihren tatsächlichen Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen", fasst Werner zusammen. Insgesamt gesehen sei es aber immer von Vorteil, wenn man Leute habe, die direkt vor Ort über die aktuelle Lage berichten.

Diskussionen

Die Verwendung des Online-Micro-Blogging-Dienstes Twitter  im Rahmen der massenmedialen Berichterstattung hatte bereits Ende des vergangenen Jahres eine heftige Diskussion über journalistische Qualitätskriterien innerhalb der britischen Medienlandschaft ausgelöst. Damals hatten die Terrorangriffe in der indischen Finanzmetropole Mumbai zu einer wahren Flut von Blog-Berichten zum Thema auf Twitter geführt. Seit dem ersten Moment der Terrorangriffe schilderten Augenzeugen darin direkt vor Ort das aktuellste Geschehen oder veröffentlichten selbstgemachte Fotos, die Leser die Tragik der gewaltvollen Auseinandersetzungen hautnah miterleben ließen. (pte)

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