Feuchte Wände, lose Kabel, morsches Holz

26. Februar 2009, 17:12
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Es stinkt, staubt und mieft: derStandard.at war bei einer Führung durch das sanierungsbedürftige Parlament dabei

Der Lift ist stecken geblieben, die Wendeltreppen eng. Nach einiger Verzögerung klappt es dann aber doch und die Fotografen und Journalisten können sich am Dachboden des Hohen Hauses ein Bild von den am Donnerstag bekannt gewordenen Baumängeln im Parlament machen. Es liegt viel Staub in der Luft, das Holz des Dachstuhls ist morsch, die elektrischen Leitungen ragen aus den Wänden, Putz bröckelt von der Wand. "Es feuchelt", meint eine der anwesenden JournalistInnen und wendet sich dem Sachverständigen Matthias Rant zu, der das Gutachten im Auftrag der Parlamentsdirektion verfasst hat. Dieser ist überrascht, dass seine Beurteilung der Baumängel solche Wellen schlägt, damit habe er "nicht gerechnet".

Er steht für Fragen bereit. Mit einem Haustechniker und dem designierten Vorsitzenden des Baukomitees, Wolfgang Großruck (ÖVP), führt er durch die Räumlichkeiten. Die Glasdecke der Säulenhalle wird durch Glühbirnen beleuchtet, unterhalb stehen Kübel, um die Tropfen, die immer wieder durch das Dach hereinkommen, aufzufangen (siehe Fotos).

"Desolate Dachhaube"

Rant beziffert die Kosten für die erforderlichen Umbaumaßnahmen im Plenarsaal mit 20 Millionen Euro. "Die Dachhaube ist in einem äußerst desolaten Zustand. Auch die Elektroanlage ist in Teilbereichen sehr desolat", sagt er. Der Gutachter tritt für eine rasche Sanierung ein, denn alles andere sei "kaum vertretbar". Aber fixieren müsse das die Auftraggeber, also Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Diese wiederum hat das Gutachten an den Bauausschuss weitergeleitetet, der nächste Woche zusammentritt.

"Mief" im Plenarsaal

Im Plenarsaal, aus dem immer wieder das Klatschen der Abgeordneten nach oben durchdringt, ist unterdessen eine Rede nach der anderen zu AUA, Kurzarbeit und Bundesheer-Budget angesetzt. Die Umbaumaßnahmen sind nur am Rande Thema. Aber auch hier beschweren sich Abgeordnete über den "Mief" im Plenarsaal, der durch die Feuchtigkeit, die sich im Boden festsetzt, entsteht.

"Vernichtendes" Gutachten

Barbara Prammer, erste Nationalratspräsidentin und demnach Schirmherrin des Parlaments, ist über das Gutachten naturgemäß nicht sehr glücklich: "Damals, als ich den Bausstop verhängt habe, habe ich ein Gutachten angefordert. Dieses Gutachten, das jetzt da ist, ist vernichtend", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at. Falls es zu der dringend nötigen Sanierung kommt, soll diese gleich im Rahmen eines Parlaments-Umbaus erfolgen. Eine "reine Sanierung wäre herausgeschmissenes Geld", so Prammer. Für ein weiteres Vorgehen brauche es dann in jedem Fall "einen parlamentarischen Beschluss."

Dass sie im Jänner 2009 wegen der schwierigen Wirtschaftssituation einen Bau-Stopp über das Parlamentsgebäude verhängt hat, bezeichnet sie im Nachhinein  nicht als Fehler: "Bisher hat die breite Unterstützung im Parlament gefehlt."

"Auf den Kopf fallen"

Anders sieht das der dritte Nationalratspräsident und FPÖ-Abgeordnete Martin Graf. "Sie ist eine entscheidungsschwache Person und man sollte, in Anbetracht der Situation, noch einmal über ihre Wahl zur Nationalratspräsidentin nachdenken." Ihr Stopp zum Umbau würde ihr nun "im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf fallen", sagt er zu derStandard.at. Genauso sieht das sein Fraktionskollege, FPÖ-Generalssekretär Harald Vilimsky: "Prammer hat falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Ihre Entscheidung gefährdet nun das Leben der Parlamentarier." Vilimsky huscht ein Lächeln übers Gesicht.

Peter Pilz von den Grünen sagt: "Prammer, die fast immer einen guten Job macht, hat hier versagt. Es war ein Fehler von ihr aus Gründen des Populismus zurück zu rudern, das rächt sich jetzt." Und scherzhaft meint er: "Ich geh da nicht mehr rein", und deutet auf den Plenarsaal mit der einsturzgefährdeten Decke. (rwh, saj, derStandard.at, 26.2.2009)

  • Oberhalb der Säulenhalle tropft es.
    foto: standard/cremer

    Oberhalb der Säulenhalle tropft es.

  • Genauso wie von der Decke des Plenarsaals. Die Kübel fangen die Tropfen auf.
    foto: standard/cremer

    Genauso wie von der Decke des Plenarsaals. Die Kübel fangen die Tropfen auf.

  • Journalisten und Fotografen werden herumgeführt.
    foto: standard/cremer

    Journalisten und Fotografen werden herumgeführt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Putz bröckelt von der Wand.

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