Talfahrt der Industrie verliert etwas an Tempo

26. Februar 2009, 12:58
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EinkaufsManagerIndex steigt erstmals seit sechs Monaten

Wien  - Das Tempo der Talfahrt der österreichischen Industrie beginnt sich zu stabilisieren. Erstmals seit einem halben Jahr zeigt der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) sogar wieder leicht nach oben. Der Indikator erreichte jedoch nach dem Rekordtiefstwert des Vormonats von 33,1 im Februar mit 34,6 Punkten nur den zweitniedrigsten Wert seit dem Beginn der Datenerfassung vor mehr als zehn Jahren. Für das Jahr 2009 erwarten die BA-Ökonomen einen Einbruch der Industrieproduktion von über 6 Prozent und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 7,0 Prozent.

Keine Entspannung

"Der Anstieg des aktuellen Bank Austria EinkaufsManagerIndex auf 34,6 Punkte zeigt ausschließlich, dass sich die Geschwindigkeit des Einbruchs in der österreichischen Industrie eingebremst hat. Die Talfahrt des produzierenden Sektors geht aber rasant weiter", stellt der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, heute Donnerstag in einer Aussendung fest. Der Index liegt somit im Februar bereits das elfte Monat in Folge unter der Neutralitätsmarke von 50 Punkten. "Trotz eines kleinen Silberstreifens am Horizont ist vorerst keine Entspannung der schwierigen Lage der Industrie in Sicht", betont Bruckbauer. "Die befragten Unternehmen haben die Produktionsleistung im Februar deutlich eingeschränkt, wenn auch nicht mehr ganz so stark, wie um den Jahreswechsel herum."

Nach einem Anstieg um fast 2 Prozent im Jahr 2008 werde die Produktion der österreichische Industrie 2009 um durchschnittlich über 6 Prozent einbrechen, prognostiziert Bruckbauer. Die Industrie wird jedenfalls der mit Abstand größte Verlierer der aktuellen Wirtschaftsflaute sein. Die exportabhängigen Branchen werden am stärksten betroffen.

Hinter der andauernden Verringerung der Produktion steht die ungebrochen schwache Nachfrage. Seit April 2008 registrieren die heimischen Betriebe ein rückläufiges Neugeschäft. Vor allem in den Auftragsbüchern der Exporteure hinterlässt der globale Konjunktureinbruch ein dickes Minus. Nur 14 Prozent der befragten Unternehmen konnten Zuwächse verzeichnen, hingegen gingen bei 48 Prozent die Auslandsbestellungen zurück.

Schwächephase dauert an

Die heimische Industrie beginnt sich auf eine länger andauernde Schwächephase einzurichten. Die Unternehmen haben im Februar die Bestände an Vormaterialien trotz eines weiteren starken Rückgangs der Einkaufspreise - insbesondere bei Rohöl, Stahl und Energie - mit einer neuen Rekordrate abgebaut. Auch die Verkleinerung der Fertigwarenlager hat sich im Februar fortgesetzt. "Die Lager werden derzeit bedingt durch die schwachen Umsätze verringert. Aber auch in Hinblick auf Kosteneinsparungen und eine Steigerung der Liquidität werden sie so klein wie möglich gehalten", meint BA-Ökonom Walter Pudschedl. Trotzdem ist aufgrund der derzeit äußerst schwachen Auftragslage eine Verringerung der Lieferzeiten in der heimischen Industrie zu beobachten.

Die Industrie baut seit zehn Monaten Beschäftigte ab. In über 40 Prozent der befragten Unternehmen wurden im Februar Stellen gestrichen, während nur drei Prozent Neueinstellungen vornahmen. Die Beschäftigung im gesamten Sektor liegt mittlerweile um rund zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Anzahl an Arbeitslosen aus der Sachgütererzeugung ist im Jahresabstand bereits um 8.000 bzw. fast 30 Prozent gestiegen. Demnach ist in den kommenden Monaten, insbesondere ab Frühsommer, wenn in vielen Unternehmen Kurzarbeitsregelungen auslaufen werden und sich die Auftragslage nicht verbessert hat, mit einer weiteren drastischen Verschlechterung der Beschäftigungslage in der Industrie zu rechnen.

Steigende Arbeitslosigkeit

Die negative Entwicklung wird immer stärker auf den Gesamtarbeitsmarkt durchschlagen. "Auch die Anzahl der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft wird 2009 sinken. Die Arbeitslosigkeit steigt deutlich von 5,8 Prozent im abgelaufenen Jahr auf 7,0 Prozent heuer", meint Pudschedl. Insgesamt werden über 40.000 Personen ihre Arbeit verlieren.

Angesichts der ungebrochen düsteren internationalen Rahmenbedingungen und der mageren (Export-) Auftragslage fehlen bisher jegliche Anzeichen für eine Stabilisierung oder gar Erholung der Industriekonjunktur in Österreich. Allerdings erwarten die Ökonomen der Bank Austria, dass die fortgesetzte geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank und die Umsetzung der staatlichen Konjunkturpakete sowohl auf internationaler als auch österreichischer Ebene zumindest gegen Jahresende 2009 erste positive Spuren hinterlassen. (APA)

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