Aktionäre machen ihrem Ärger Luft

26. Februar 2009, 12:58
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Vorstandschef Williams: "Geschäft entwickelt sich in die richtige Richtung" - Nettoverlust von 270 Millionen Euro im Vorjahr

Die Aktionäre des PayTV-Senders Premiere haben die außerordentliche Hauptversammlung für eine Generalabrechnung genutzt. Während der neue Vorstandschef Mark Williams um ihre Zustimmung für eine überlebensnotwendige Kapitalspritze warb, machten sie ihrem Ärger über den Kursabsturz der Premiere-Aktie Luft. "Premiere ist schon dreimal gescheitert", sagte Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am
Donnerstag. Der ehemalige Medienmogul Leo Kirch habe den Sender über Jahre hin nicht flott gekriegt, das Geld aus dem Börsengang 2005 sei versickert und vergangenes Jahr sei Premiere knapp an der Pleite vorbeigeschrammt.

Im Dezember hatte lediglich die Zusage von Großaktionär Rupert Murdoch, den Sender mit bis zu 450 Mio. Euro zu unterstützen, die kreditgebenden Banken davon abhalten können, den Geldhahn zuzudrehen. Wegen rückläufiger Abonnentenzahlen und geringerer Sondererlösen schrieb Premiere 2008 einen Nettoverlust von 270 Mio. Euro.

"Wir hatten zum Börsengang 2005 noch einen Aktienkurs von 30 Euro, seitdem ist es um 90 Prozent abwärtsgegangenen", sagte Kleinaktionär Matthias Gaebler. Am Donnerstag legte die Premiere-Aktie 4,6 Prozent auf 1,84 Euro zu.

Der von Murdoch an die Spitze des Unternehmens geholte Australier Williams warb vor den Aktionären eindringlich um Zustimmung für die Kapitalinfusion. "Von diesem Tag hängt die Zukunft von Premiere ab", sagte er. Nachdem 38 Mio. Euro in einer ersten Tranche bereits im Jänner geflossen waren, stand noch die Genehmigung der restlichen 412 Mio. Euro aus. Eine Zustimmung war wahrscheinlich, da Milliardär Murdoch mit seinem Konzern Medienkonzern News Corp allein 29 Prozent an Premiere kontrolliert.

Mit mehr Kanälen, einer Marketing-Offensive im zweiten Halbjahr und hochauflösenden Programmen soll der Sender Williams zufolge bis 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben. "Nach unseren ersten operativen Erfolgen entwickelt sich das Geschäft in die richtige Richtung", erläuterte der Manager. Aktionärsschützer Bauer zeigte sich dagegen wenig überzeugt: "Wir haben bisher nur gehört, dass wieder Gewinne gemacht werden sollen, aber wie das geschehen soll, ist unklar. Das Geschäftsmodell funktioniert in Deutschland anscheinend nicht."

Auf der Hauptversammlung waren 63 Prozent des Kapitals vertreten. Die Abstimmung über die Kapitalerhöhung wurde für den Nachmittag oder Abend erwartet. (APA/Reuters)

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