Ukraine-Töchter auf Sparflamme

26. Februar 2009, 15:19
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Raiffeisen International streicht in Ukraine-Tochter 1.800 Stellen, Erste baut 300 Leute ab - Volksbank prüft

Wien/Kiew - Die österreichischen Großbanken, die in der Ukraine Töchter betreiben, müssen in der schärfer werdenden Krise dort ihre Banken zurückfahren. Vorige Woche hat Raiffeisen International (RI) bekannt gegeben, in der ukrainischen Tochterbank Raiffeisen Aval 1.800 Stellen zu streichen. Bis Sommer muss damit jeder 10. Mitarbeiter dieser größten Auslandsbank der Ukraine gehen. Die Erste Group hat am Donnerstag den Abbau von 300 von 2.120 Beschäftigten in der JSC Erste Bank in der Ukraine verlautbart, also eine Mitarbeiterreduktion um 15 Prozent samt Investitionsstopp ins dortige Filialprogramm. In der Konzernbilanz 2008 hat die börsenotierte Erste Group hohe Abschreibungen der Ukraine-Tochter vorgenommen.

UniCredit-Chef Alessandro Profumo hat die Ukraine als das größte Risiko für die Ostbanken seiner Gruppe bezeichnet. Die Rede ist vom drohenden Staatsbankrott, den allerdings Profumo selber für politisch nicht tolerabel und damit unwahrscheinlich hält. Für die UniCredit betreibt die Wiener Bank Austria die ukrainische Tochter Ukrsotsbank. Ukrsots, Nummer vier am lokalen Markt, kommt mitsamt regionaler direkter UniCredit-Einheiten auf 520 Filialen und 10.700 Leute per Ende des 3. Quartals. Zu einem akuten Mitarbeiterabbau in der Ukraine-Tochter verlautete aus der Bank Austria vorläufig nichts. 2008 sei dort bereits aber "restrukturiert" worden, hieß es am Donnerstag.

180 Institute

In der von Rezession tief getroffenen Ukraine gibt es rund 180 Banken. Die Finanzierungssituation hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat voriges Jahr bereits ein paar Milliarden Euro locker gemacht und so bereits einmal einen nahen Bankrott verhindert, das Land hofft unverdrossen auf die Erfüllung weitaus höhere Zusagen. Die Osteuropabank EBRD prüft (weitere) Krediteinschüsse in Ukraine-Banken, aber auch Beteiligungen an systemrelevanten Häusern. Von den Ratingagenturen hat die Ukraine einen dramatisch schlechten Status umgehängt bekommen. Viele Ukrainer sind in Fremdwährung verschuldet. Die Auslandsbanken müssten momentan ihre Geschäftsmodelle "optimieren", um die lokalen Banken nachhaltig abzusichern, wird in der Kreditwirtschaft argumentiert. "Alles andere wäre unverantwortlich".

Nach Stresstests, die von weiteren Krisenszenarien ausgehen, haben die Banken wie berichtet bis 1. Mai Zeit, ihren Ukraine-Töchtern Kapital nachzuschießen. Die meisten Banken dort gelten demnach als unterkapitalisiert. Raiffeisen International hat schon bestätigt, dass die ukrainische Tochterbank Aval die nötige Kapitalerhöhung aus Wien bekommt. Raiffeisen hatte in der Ukraine zum Ende des 3. Quartals 18.300 Mitarbeiter, der 10-prozentige Personalabbau läuft hier seit Dezember und ist zur Hälfte umgesetzt. Zum 3. Quartal 2008 lag die Bilanzsumme der Raiffeisenbank Aval bei 7,9 Mrd. Euro, sie ist durch die Abwertung aber deutlich zurückgegangen. Raiffeisens Kreditvolumen in der Ukraine wurde mit rund 5 Mrd. Euro beziffert.

Erste stoppt Filialausbau

Die Ukraine-Tochter der Erste Group hatte Ende 2008 eine Bilanzsumme von rund 1 Mrd. Euro, das war um 81 Prozent mehr als im Jahr davor. Die ab 2006 in Schritten ausgebaute Bankaktivität ist bisher nicht aus den Anlaufverlusten. Per Ende September 2008 machte die Ukraine-Tochter fast 20 Mio. Euro Verlust. Die einstige Bank Prestige, heute JSC Erste Bank, sollte ursprünglich bis zu 400 Filialen bekommen, heute steht man bei 137. Der Filialausbau ist gestoppt. Die bestehenden Filialen blieben aber erhalten, wurde in der Ersten betont.

Aus Österreich ist in der Ukraine seit dem 2007 auch die Volksbanken AG (ÖVAG) mit der Electron Bank vertreten. Zur Zeit des Kaufs hatte sie 500 Mitarbeiter und 33 Filialen. Der Personalstand blieb vergleichsweise konstant. Wie weit in dieser kleinen westukrainischen Regionalbank aktuell redimensioniert wird, wurde am Donnerstag nicht gesagt. Die Volksbank International prüfe im Sinne der Kosteneffizienz den Personalstand, verlautete aus der Volksbank-Gruppe heute.

Erst gestern, Mittwoch, hatte der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko erklärt, sein Land habe genug Geld, um seine Schulden zu bedienen. Gegenüber AP trat Juschtschenko damit Spekulationen über einen drohenden Staatsbankrott entgegen. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat am Mittwoch die Einstufung des Landes auf das Ramschniveau "CCC+" herabgestuft. Der IWF hat Anfang Februar die Überweisung einer zweiten Tranche des zugesagten Pakets von insgesamt 16,4 Mrd. Dollar (12,82 Mrd. Euro) verschoben, Schlüsselforderung des Fonds ist die Kürzung der Staatsausgaben. Analysten schätzen, dass die Ukraine einschließlich ihrer Banken und Firmen im Ausland in diesem Jahr Schulden im Volumen von umgerechnet rund 23 Mrd. Euro zu begleichen hat.(APA)

 

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