Telekom denkt laut über Übernahme von "3" nach

26. Februar 2009, 12:18
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Boris Nemsic : Österreich hat zu viele Anbieter - "3"-Chef Berthold Thoma harsch: "Wir stehen nicht zum Verkauf"

Die Telekom Austria AG will bei einer möglichen Konsolidierung am österreichischen Mobilfunkmarkt eine aktive Rolle spielen. Dem überbesetzten Markt würde dies helfen, sagte TA-Chef Boris Nemsic am Donnerstag in einem Interview mit Reuters. Die einzige realistische Chance wäre eine Übernahme des kleinsten Mobilfunkanbieters Hutchisons "3" Austria. Bei allen anderen Konkurrenten würde die Wettbewerbsbehörde einen Riegel vorschieben. Ende 2008 verfügte TA über einen Marktanteil von 42 Prozent, die Deutsche Telekom von 32 Prozent, die France Telecom von 18 Prozent und "3" Austria von sechs Prozent.

"Diese Frage sollte dem möglichen Verkäufer gestellt werden"

Auf die Frage, ob ein Verkauf von "3" zur Diskussion steht, verwies der TA-Chef an Hutchison. "Diese Frage sollte dem möglichen Verkäufer gestellt werden", sagte Nemsic. TA wäre interessiert, fügte er an. Österreichs Markt sei sehr eng mit zu vielen Anbietern im Verhältnis zur relativ kleinen Bevölkerungszahl, sagte Nemsic.

Harsche Reaktion

"Wir stehen nicht zum Verkauf", betont der „3"-Chef Berthold Thoma in einer Stellungsnahme gegenüber dem WebStandard. "Grundsätzlich ehrt uns, dass Herr Nemsic einerseits 3 offensichtlich als die größte Bedrohung und andererseits als den attraktivsten Übernahmekandidat erkannt hat. Es wird dabei wohl bei einem Wunschprogramm bleiben" , so Thoma.

Auch will will er nicht ausschließen, dass "Nemsic mit diesen Aussagen die aktuelle mediale Diskussion verlagern will." In den letzen Tagen sorgten Aussagen des ehemaligen Festnetz-Finanzchef Gernot Schieszler zum Mitarbeiter-Abbau bei der Telekom Austria für Schlagzeilen.

Weiter Pläne der Telekom

Neben Österreich schaut sich Nemsic auch in Mazedonien um, wo er an der OTE-Tochter Cosmofon interessiert wäre. Die TA selbst verfügt in Mazedonien bereits über einen Marktanteil von 30 Prozent.

Keine Entscheidung

"Cosmofon steht zum Verkauf", sagte Nemsic. "Wir schauen uns den Verkaufsprozess an, aber bisher ist noch keine Entscheidung gefallen", fügte er an. Den möglichen Wert des Unternehmens wollte er nicht beziffern. Cosmofon steht wegen wettbewerbsrechtlichen Gründen zum Verkauf. Telekom Slovenia hat ebenfalls Interesse an Cosmofon bekundet.

"Es ist weder die Zeit zum Kaufen noch zum Verkaufen"

Trotz der ersten Anzeichen eines Nachfragerückganges und der Währungsturbulenzen in Osteuropa will sich Nemsic nicht aus Bulgarien, Weißrussland und dem ehemaligen Jugoslawien zurückziehen. "Es ist weder die Zeit zum Kaufen noch zum Verkaufen. Wenn man verkauft, verkauft man billig und wenn man kauft, ist man exponiert", sagte er. Daher seien derzeit auch keine größeren Projekte in der Pipeline.

Kein Wachstum

Nemsic will sich 2009 auf das operative Geschäft konzentrieren. Den Kundenstock zu erhalten sei 2009 die größte Herausforderung. Dieses Geschäft werde heuer möglicherweise kein Wachstum aufweisen. (Reuters/sum)

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