4.500 Euro für Ärztin

27. Februar 2009, 16:53
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Bisher höchste Entschädigung für Diskriminierung aufgrund der Religion - Kurbad verlangte von Burgenländerin, ihr Kopftuch abzulegen

Anfangs lief alles ganz glatt: Frau Z., eine Medizinerin aus dem Burgenland, bewarb sich um eine Arztstelle in einem Kurbad. Der Leiter schien von ihren Fähigkeiten angetan zu sein, er sagte ihr zu - unter einer Voraussetzung: Frau Z., eine Muslima, müsse im Job ihr Kopftuch ablegen.

Z. gab nicht auf. Unter Beiziehung der Gleichbehandlungsanwaltschaft versuchte sie, den Kurbad-Chef umzustimmen - vergeblich. Also entschied sie sich, weiter auf Jobsuche zu gehen. Ohne Folgen sollte die Diskriminierung für den Vorstandsvorsitzenden des Kurbads jedoch nicht bleiben: Z. klagte, unterstützt vom Klagsverband für Diskriminierungsopfer, und forderte zwei Monatsgehälter Entschädigung ein - in Summe 4.500 Euro.

Gerichtsurteil verhindert

Das Kurbad zögerte, zahlte nur die Hälfte, schlug einen Deal vor: Man würde Z. noch mehr Geld geben - vorausgesetzt, sie ziehe die Klage zurück. Die Medizinerin lehnte ab. Dem Kurbad blieb nun wenig anderes über, als die zweite Hälfte zu überweisen: Hätten sie weniger gezahlt, dann wäre der Prozess fortgesetzt worden, und wäre in ein Gerichtsurteil gemündet, das offiziell feststellt: In diesem Kurbad wird diskriminiert.

Klarer Fall

Rein rechtlich sei das nämlich "ein klarer Fall", sagt Volker Frey vom Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern: "Wenn jemandem wegen des Kopftuchs die Stelle verweigert wird, ist das Diskriminierung aufgrund der Religion." Zwei Monatsgehälter seien die Mindestsumme, die laut Gesetz entschädigt werden müsse - dennoch ist das laut Zara die höchste Summe, die bisher im Fall einer Einstellungsdiskriminierung gezahlt wurde. Das liegt einerseits an einer Gesetzesänderung im Vorjahr, die den Opfern höhere Leistungen brachte, andererseits aber auch daran, dass nur wenige Diskriminierungsopfer die Mühe einer Klage auf sich nehmen. Obwohl Kopftuchträgerinnen häufig über Benachteiligungen berichten, ist Z. die erste Frau, die in Österreich wegen Diskriminierung aufgrund des Schleiers vor Gericht ging.

"Urteil hätte etwas bewegt"

Frey sieht das Ergebnis nicht nur positiv: "Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind wir froh, dass das schnell gelöst werden konnte. Andererseits ist es schade, dass die Diskriminierung nicht gerichtlich festgestellt wurde." Denn das hätte laut Frey auch in den Köpfen mancher Arbeitgeber etwas bewegt.

"Ich habe mich aus freiem Willen dazu entschieden, ein Kopftuch zu tragen", sagt Frau Z. "Kein Arbeitgeber der Welt hat das Recht, mich deshalb zu diskriminieren." Die 4.500 Euro sind für Z. keine Entschädigung für die Diskriminierung. Angewiesen ist sie auf das Geld aber auch nicht: Schließlich verrichtet sie bereits einen gut bezahlten Job im Wiener AKH - mit Kopftuch. (Maria Sterkl, derStandard.at, 26.2.2009)

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