"Intensive Schneefälle" angekündigt

26. Februar 2009, 11:15
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Schneeffälle werden bis Samstag anhalten - Neuerliches Ansteigen der Lawinengefahr - Kritische Verhältnisse für Wintersportler abseits der Pisten - Radmer wieder erreichbar

St. Pölten - Die Lawinensituation in Niederösterreich war am Mittwoch nur eine vorübergehende Entspannung . Ab heute Donnerstag sind ab Nachmittag wieder "intensive Schneefälle" in den Bergen zu erwarten. Der Schneefall soll bis Samstag anhalten, informierte der Leiter des Lawinenwarndienstes ZAMG, Alexander Podesser. Es ist wieder mit Gefahrenstufe 4 (groß) zu rechnen. In der Steiermark könnten bis Samstag wieder 40 Zentimeter Neuschnee fallen.

Radmer wieder erreichbar

Verkehrstechnisch hat sich die Lage in der Steiermark am Donnerstag etwas entspannt: Die B115 Eisenstraße über den Präbichl sowie die L127 Radmerstraße wurden am Vormittag nach Lawinensprengungen wieder freigegeben. Das tagelang abgeschnittene Radmer ist somit wieder erreichbar.

Probleme gebe es lnoch auf der B24 Hochschwabstraße, der L701 Koppental-Landesstraße und der L715 Hengstpass-Landesstraße. Sie bleiben weiterhin gesperrt. Durch das Fahrverbot am Hochschwab ist die Ortschaft Gschöder weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten.  Fünf Haushalte sind betroffen, sie werden aber versorgt.

Lawinengefahr in Vorarlberg

Die Lawinengefahr ist von Mittwoch auf Donnerstag auf "erheblich" (Stufe 3) zurückgegangen. Am Freitag könnte sie aber wieder ansteigen, wenn die Prognosen  Schneefall und starker Wind zutreffen.

Als Schwerpunkt der Schneefälle gilt die Ötscher-Region. Die Schneefallgrenze werde bei 600 bis 800 Metern liegen. In tiefen Lagen mus mit Nassschneelawinen gerechnet werden. Am Donnerstag wurde die Lawinengefahr in den Ybbstaler und Türnitzer Alpen sowie in den Gebieten Göller/Gippel und Rax/Schneeberg vorerst Stufe 3 (erheblich) gegeben. Für die Gutensteiner Alpen und das Semmering-/Wechselgebiet gilt noch Stufe 2 (mäßig).

Großes Glück für Deutschen bei Lawinenabgang in Vorarlberg

Bei mehreren Lawinenabgängen in den Vorarlberger Skigebieten sind am Mittwoch insgesamt drei Wintersportler verschüttet worden.

Einer davon, ein 44-jähriger Deutscher, konnte unter der Schneedecke einen Handy-Notruf absetzen. Er wurde mit Bänderrissen im Knie und einem Schienbeinbruch ins Krankenhaus geflogen, teilte die Sicherheitsdirektion mit. Der Skifahrer verließ am Mittwoch im Skigebiet Golm in Tschagguns (Montafon) trotz Lawinenwarnstufe 4 den gesicherten Skiraum und löste ein Schneebrett aus. Er wurde mitgerissen und saß etwa 20 Zentimeter unter der Oberfläche des Lawinenkegels fest. Dem Deutschen gelang es jedoch, eine kleine Atemhöhle zu bilden. Nach rund einer halben Stunde schaffte er es, per Handy einen Notruf abzusetzen. Kurz danach konnte er von zwei Pistenrettern gefunden werden, die seine Hilferufe hörten und seine Hand aus dem Schnee hängen sahen.

Ebenfalls verschüttet wurden am späteren Nachmittag zwei unbekannte Wintersportler in Warth am Arlberg. Sie traten im Bereich der sogenannten Hägerauer Alpe ein Schneebrett von 30 bis 40 Meter Breite los und wurden von den Schneemassen erfasst. Sie konnten sich aber selbst befreien.

Weiters in eine Notlage gerieten am Mittwoch ein 25-jähriger deutscher Snowboarder in Warth sowie  US-Amerikaner in Lech am Arlberg. Der 25-Jährige fuhr im freien Skiraum ab, als er zu Sturz kam und einen Überschlag nur vermeiden konnte, indem er sein Board hart in den Tiefschnee stemmte. Damit löste er ein 50 Meter breites und 150 Meter langes Schneebrett aus. Der 25-Jährige reagierte geistesgegenwärtig und fuhr an den rechten Rand des Abbruchs, wo er Schutz bei einer Baumgruppe fand.

Ein 30-jähriger US-Amerikaner kam gegen 17.30 Uhr von der markierten Skiroute ab und geriet in felsdurchsetztes Gelände. Bei einem Sturz über eine kleine Felswand verlor er sein Snowboard. Schließlich wurde er von einem pensionierten Jäger entdeckt, der Gämsen beobachtete. Der 30-Jährige wurde mit dem Hubschrauber per Tau geborgen. Eine Tau-Bergung war auch in Klösterle am Arlberg notwendig, wo zwei Snowboarder aus Australien nicht mehr weiterkamen.

Tirol : Kritische Verhältnisse für Wintersportler

In Tirol hat sich am Donnerstag die Lawinensituation etwas entspannt. Auf der fünfteiligen Gefahrenskala wurde der Wert 3 erreicht. Die Experten des Lawinenwarndienstes sprachen aber von "unverändert kritischen Verhältnissen" für Wintersportler. Durch dievorhergesagten Schneefälle, insbesondere durch den Regen bis anfangs 1.000 Meter steige die Gefahr von Selbstauslösungen wieder markant an. In den Nachtstunden könnten dadurch wieder exponierte Verkehrswege von Lawinenabgängen betroffen sein.

Für Wintersportler gibt es Gefahrenstellen in allen Hangrichtungen, vermehrt unterhalb etwa 2.300 Meter, sowie in steilen Südhängen unterhalb etwa 2.600 Meter. Schneebrettlawinen könnten durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden. In Summe herrschten somit weiterhin Verhältnisse, bei denen der Wintersportler über sehr gutes lawinenkundliches Wissen im freien Gelände verfügen sollte, rieten die Lawinenfachleute. Günstiger sei es in Osttirol, speziell im südlichen Osttirol.

 

Steiermark: Gstatterboden-Bewohner dürfen wieder in Häuser

Evakuiert waren am Donnerstag nur noch zwei Häuser am Grundlsee, so die Landeswarnzentrale. Trotz neuerlicher prognostizierter Schneefälle durften auch die Bewohner des obersteirischen Gstatterboden ihre Häuser wieder beziehen.

Lawinen-Ablenk-Damm wird gebaut

Der seit Jahren geplante Lawinenablenkdamm im Nationalpark Gesäuse am Steilhang über dem Siedlungsgebiet wird gebaut, "sobald der Schnee" weg ist, versprach Landesrat Johann Seitinger (ÖVP) am Donnerstag in Graz. Mehrere Familien im Wenger Ortsteil Gstatterboden (Bezirk Liezen) bangen jedes Jahr. Schon 2005 ging eine größere Lawine ab. Seit damals wurde an dem Projekt Ablenkdamm gearbeitet. Der Plan liegt fertig in der Schublade: Eine Million Euro soll der zehn bis 17 Meter hohe und rund 100 Meter lange Damm kosten, erklärte Seitinger.

Zweck des Damms  ist es, Lawinen auf einen Gegenhang zu lenken und dort "verpuffen" zu lassen, so Gerhard Baumann, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Steiermark. Das Vorhaben wurde in der rund 1.000 Projekte steiermarkweit umfassenden Prioritätenliste der Wildbachverbauung nach den vergangenen dramatischen Tagen vorgereiht, so Baumann. Ihm mache die Abfolge von extremen Naturereignissen "Sorge". (APA)

 

 

 

 

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lawinensprengung bei Lech am Arlberg

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