Bosnische Medien: USA wollen Inzko nicht unterstützen

26. Februar 2009, 17:49
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Kontroverse um Hohen Repräsentanten in Bosnien

Sarajevo/Belgrad - Die USA seien nicht bereit, den österreichischen Diplomaten Valentin Inzko als den Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft für Bosnien-Herzegowina zu unterstützen, behauptet die bosnische Zeitung Dnevni Avaz, die sich auf Quellen in Washington berief. Für die USA sei Inzko nicht die beste Lösung, deshalb wolle man den gesamten Prozess der Wahl des Hohen Repräsentanten, der gleichzeitig der EU-Beauftragte (EUSR) sein soll, wiederholen. Die USA wollten eine "stärkere politische Persönlichkeit, einen Kandidaten mit größerem diplomatischen und politischen Ansehen" schreibt Dnevni Avaz, der ein internationales Durchgreifen in Bosnien ermöglichen soll. Angeblich befürchte Washington eine mögliche Destabilisierung und wolle deshalb viel aktiver als bisher in Bosnien sein.

Die EU-Außenminister hatten sich am Montag auf die Nominierung Inzkos, des österreichischen Botschafters in Slowenien, geeinigt. Zuvor galt aber der Brite Emyr Jones Perry als Favorit. Der ehemalige Botschafter Großbritanniens bei der UNO soll auch die Unterstützung der USA haben. Der Einwand der USA gegen Inzko führte zu Reaktionen. Die außenpolitische Sprecherin der deutschen Grünen, Angelika Beer, rief die USA zur konstruktiven Zusammenarbeit auf dem Westbalkan auf. Dass die EU erneut ausgebootet werde - wie zur Verfassungsreform 2005/2006 in Bosnien - und die Blockade von wichtigen Personalentscheidungen durch Washington dürfe sich nicht wiederholen.

Als der Hohe Repräsentant Miroslav Lajèák Ende Jänner das Amt des Außenministers in der Slowakei übernahm, hinterließ er ein Machtvakuum. Ein Bericht - zunächst war von einer Anzeige die Rede - der staatlichen Ermittlungs- und Schutzagentur (Sipa) gegen den Premier der Republika Srpska, Milorad Dodik, sorgte vergangene Woche für zusätzliche Spannungen. Dodik sagte, er sei ein Opfer einer Hexenjagd, mit dem Ziel, ihn und die Republika Srpska zu unterminieren. (iva, red/DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2009)

 

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    Nicht nur Großbritannien, auch die USA legen sich quer: Gegen Valentin  Inzko als neuen Sonderbeauftragten der EU für Bosnien-Herzegowina.

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