Ukraine und Russland steht neuer Gasstreit bevor

26. Februar 2009, 17:45
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Gazprom setzt Kiew ein Ultimatum für das Begleichen von offenen Forderungen

Moskau - Zwischen Russland und der Ukraine bahnt sich ein neuer Gasstreit an. Da die Ukraine Probleme hat, das Geld für die im Februar erhaltenen russischen Gaslieferungen aufzubringen, plant der russische Staatskonzern Gasprom im März erneut die Lieferungen in die Ukraine zu kürzen. Der Transit nach Europa soll laut Gasprom nicht betroffen sein.

"Wenn die 400 Millionen Dollar am 7. März nicht kommen, bleibt uns am 8. März nichts anderes übrig, als die Ukraine abzuschalten", zitiert die russische Zeitung Kommersant den Gasprom-Finanzchef Andrej Kruglow bei der Aufsichtsratssitzung des Staatskonzerns.

Streit und Einigung

Bereits Anfang dieses Jahres führte ein Konflikt um nicht bezahlte Rechnungen und die Erhöhung des Gaspreises zu Beeinträchtigung des Gastransits nach Europa. Am 19. Januar einigten sich die ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko und ihr russischer Amtskollege Wladimir Putin auf russische Gaslieferungen nach der europäischen Preisformel mit einem Rabatt von zwanzig Prozent.

Demnach muss die Ukraine im ersten Quartal 360 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas bezahlen. Dem Abkommen zufolge muss die Ukraine bis zum 7. Tag jedes Monats die Rechnung für das Vormonat begleichen. Bei Zahlungsverzug darf Gasprom eine hundertprozentige Vorauszahlung fordern.

Russische Analysten bezweifeln, dass der ukrainische Gaskonzern Naftogas bis nächste Woche das Geld auftreiben kann. Für ukrainische Unternehmen ist es aufgrund der dramatischen wirtschaftlichen Situation nahezu unmöglich, an Kredite zu kommen. Unter Geldmangel leiden auch die ukrainischen Kommunalbetriebe, die bei Naftogas mit rund 552 Millionen US-Dollar in der Kreide stehen.

Ukraine braucht weniger Gas

Nun will die Ukraine die vereinbarten Gasimporte reduzieren und fordert eine entsprechende Vertragskorrektur. Statt 40 Milliarden Kubikmeter Gas will Naftogas im laufenden Jahr nur noch 33 Milliarden Kubikmeter von Gasprom abnehmen, sagte Bogdan Sokolowsk, Energiebeauftragter des ukrainischen Präsidenten. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2009)

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