Franzosen für Unabhängigkeit

26. Februar 2009, 13:54
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Mehrheit der Insulaner will jedoch bei Frankreich bleiben

Fort-de-France - Nach den wochenlangen Streiks in der französischen Karibik ist eine Mehrheit der Franzosen für die Unabhängigkeit Guadeloupes. Die Insulaner selbst möchten aber bei Frankreich bleiben. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts OpinionWay für das Pariser "Figaro Magazine".

Zukunft der Karibikinseln

Präsident Nicolas Sarkozy hat eine Debatte über die Zukunft der Karibikinseln Guadeloupe und Martinique angeregt und dabei das Thema Selbstverwaltung aufgeworfen. Es dürfe "keine Tabus" geben, erklärte ein Regierungssprecher. Sarkozy traf damit den Nerv seiner Wähler: In der Umfrage sprachen sich 51 Prozent der europäischen Franzosen und sogar 58 Prozent der Sarkozy-Anhänger für die Unabhängigkeit Guadeloupes aus. Dagegen erklärten mehr als 80 Prozent der Bewohner der Karibikinsel, sie wollten bei Frankreich bleiben.

Soziale Ungleichheit

Als Ursache der Konflikte sehen 74 Prozent der Franzosen in Europa und sogar 87 Prozent der Insulaner die soziale Ungleichheit und die geringe Kaufkraft. Doch wird dafür kaum die Kolonialvergangenheit verantwortlich gemacht, als schwarze Sklaven weißen Sklavenhaltern gegenüberstanden. Nur 13 Prozent der europäischen Franzosen und sogar nur fünf Prozent der Einwohner Guadeloupes sehen im kolonialen Erbe den Grund für die Unruhen.

Forscher widersprechen dem allerdings. So erklärte Patricia Braflan-Trebo von der Antillen-Universität dem Blatt "Les Echos", die Aufhebung der Sklaverei habe nicht zur Emanzipation der Schwarzen geführt. Die Insulaner hätten ein ähnliches Gefühl, vom Staat verlassen zu sein, wie die Bewohner der Einwandererviertel bei Paris. Ein sozialer Konflikt bekomme schnell eine ethnische Dimension.

Bei den Verhandlungen über eine Beilegung des Lohnkonfliktes auf Guadeloupe gab es am Donnerstag Anzeichen für eine Einigung. Dafür kam es in der Nacht zu Donnerstag auf Martinique erneut zu Ausschreitungen. Der lokale Rundfunk berichtete von geplünderten Geschäften und ausgebrannten Autos. Bewaffnete Jugendlicher würden Autofahrer überfallen und die Fahrzeuge rauben. Jugendbanden sollen auch hinter vielen Plünderungen stehen. (APA/AFP)

 

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