RBS mit größtem Verlust in britischer Geschichte

26. Februar 2009, 13:55
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Die mittlerweile verstaatlichte Großbank will faule Wertpapier versichern

London - Mit einem Minus von 24,14 Mrd. Pfund (27,13 Mrd. Euro) hat die Royal Bank of Scotland (RBS) im vergangenen Jahr 2008 den höchsten Verlust in der britischen Wirtschaftsgeschichte eingefahren.

Zudem kündigte die zweitgrößte Bank des Landes am Donnerstag an, dass sie toxische Papiere im Gesamtwert von 325 Mrd. Pfund (363 Mrd. Euro) in ein staatliches Auffangprogramm auslagern werde. Dies könnte zur Folge haben, dass der Anteil der britischen Regierung an der bereits weitgehend verstaatlichten RBS auf bis zu 95 Prozent steigt.

Als Konsequenz aus den massiven Verlusten kündigte die Konzernführung außerdem umfassende Umstrukturierungen an, bei denen sie sich von einem Großteil des internationalen Geschäfts trennen will.

Die in Edinburgh ansässige Bank hatte 2007 noch 7,3 Mrd. Pfund Gewinn gemacht. Im Jahr 2008 brach der Umsatz um 15 Prozent auf 25,87 Mrd. Pfund (29 Milliarden Euro) ein. Der Verlust vor Steuern betrug sogar 40,67 Mrd. Pfund.

Unvorhergesehene Turbulenzen

Für die dramatischen Verluste machte RBS-Verwaltungsratschef Philip Hampton bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Donnerstag "unvorhergesehene Turbulenzen" auf den Finanzmärkten und schlechtere Geschäftsbedingungen weltweit verantwortlich. "Wir verdanken unsere fortgesetzte Unabhängigkeit der britischen Regierung und den Steuerzahlern und sind sehr dankbar für diese Unterstützung", sagte Hampton.

RBS-Vorstandschef Stephen Hester wollte angesichts der aktuellen Lage keine Prognose für das laufende "schwierige Jahr" abgeben. Er sei jedoch zuversichtlich, dass RBS nach der Restrukturierung und der Hilfe des Staates aus eigener Kraft weiterbestehen könne.

Die Restrukturierung der Bank sieht Einsparungen von mehr als 2,5 Mrd. Pfund vor. Dabei werde man das Kerngeschäft in Großbritannien belassen und die weltweiten Operationen zurückfahren und stärker konzentrieren.

Die britische Regierung hat zugestimmt, eine neue Tranche Aktien im Wert von 13 Mrd. Pfund zu übernehmen. Hinzu kommt eine Option auf Papiere im Wert von weiteren 6 Milliarden Pfund (6,7 Milliarden Euro). Damit könnte der Anteil der Regierung an der Bank von derzeit 68 auf bis zu 95 Prozent steigen. Die Regierung habe allerdings signalisiert, dass sie ihre Stimmrechte auf 75 Prozent beschränken werde, erklärte Hester.

Die Bank muss stark auf die Kostenbremse steigen. Insgesamt stehen 20.000 der weltweit 180.000 Jobs auf der Kippe.

Für Wirbel sorgten Berichte, dass der gescheiterte Ex-RBS-Chef Fred Goodwin (50), bereits jetzt jährlich aus Bankenmitteln ein Ruhestandsgehalt von 650.000 Pfund einstreicht. Das Geschäft wird redimensioniert. Betroffen davon soll vor allem das Investment-Banking sein. Zudem will die Bank ihr internationales Geschäft beschneiden und sich aus 36 von derzeit 54 Ländern zurückziehen.

Gegengeschäft

Die Bank kündigte an, mit Hilfe eines staatlichen Rettungspakets faule Wertpapiere im Volumen von 325 Milliarden Pfund mit Steuermitteln gegen Zahlungsausfall versichern zu wollen. Dafür zahlt RBS dem britischen Finanzministerium 6,5 Milliarden Pfund und würde nur für die ersten knapp 20 Mrd. Pfund an Zahlungsausfällen selbst haften. Für die übrigen Ausfälle müsste dann der Steuerzahler geradestehen. Im Gegenzug erklärte sich RBS bereit, 25 Mrd. Pfund an dringend benötigten Krediten zur Verfügung zu stellen.

Der bisherige Minusrekord eines britischen Unternehmens stammt aus dem Jahr 2006. Damals hatte der Mobilfunkkonzern Vodafone einen Verlust von knapp 22 Mrd. Pfund verbucht. Der RBS-Verlust fiel sogar ein wenig geringer als erwartet aus, weil die angeschlagene Großbank schon zuvor Verluste von bis zu 28 Mrd. Pfund in Aussicht gestellt hatte. Die Aktie legte am Donnerstag um knapp 30 Prozent zu. Das Papier hatte im vergangenen Jahr allerdings auch rund 95 Prozent ihres Werts verloren.

Die Bank war im Strudel der Finanzkrise ins Schlingern geraten, auch weil 2007 Teile der niederländischen Bank ABN Amro übernommen worden waren. Der Staat musste mit Finanzspritzen in Höhe von 20 Milliarden Pfund die taumelnde Bank vor den Kollaps retten und hält dadurch nun Anteile von 68 Prozent. (APA/AP/dpa-AFX)

 

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