Gordon Brown bietet USA neue Freundschaft Europas an

5. März 2009, 06:09
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Britischer Premier fordert bei Rede im Kongress Zinssenkungen und Kampf gegen Steueroasen

Washington - In einer Rede vor dem US-Kongress hat der britische Premierminister Gordon Brown den USA eine rundum erneuerte Freundschaft mit Europa angeboten. Präsident Barack Obama könne in Europa auf Regierungen zählen, "die so pro-amerikanisch sind wie seit langer Zeit nicht mehr", sagte Brown am Mittwoch vor den Parlamentariern in Washington. "Es gibt kein altes Europa und kein neues Europa, sondern es gibt nur Ihren Freund Europa", sagte Brown in Anspielung auf das transatlantische Zerwürfnis wegen des US-Einmarsches im Irak vor sechs Jahren, bei dem die Staaten der Europäischen Union eine unterschiedliche Politik betrieben.

Brown sagte seinen Gastgebern zu, dass Europa künftig "enger zusammenarbeiten will, um für Sie ein stärkerer Partner zu sein". Gerade die gegenwärtige Wirtschaftskrise eröffne die Chance, enger zusammenzurücken und mit abgestimmten Initiativen die Krise zu bekämpfen, sagte Brown, der als fünfter britischer Premierminister zu einer Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses eingeladen wurde.

"Zusammenarbeit notwendig"

"Wir sollten die Gunst der Stunde nutzen", sagte Brown. "Nie zuvor haben wir eine Welt gesehen, die so bereit war zur Zusammenarbeit. Nie zuvor war diese Zusammenarbeit so notwendig. Und nie zuvor war der Nutzen der Zusammenarbeit so weitreichend." Die USA hätten "seit einem Jahrhundert die größte Verantwortung auf sich genommen: Mit der Welt und für die Welt zu arbeiten." Und die Welt sei derzeit "williger denn je, mit Ihnen zu arbeiten", sagte Brown.

Der Premierminister warnte in diesem Zusammenhang vor der Versuchung, die Volkswirtschaften einzelner Staaten durch protektionistische Maßnahmen zu schützen. Die Geschichte zeige, "dass der Protektionismus niemanden protegiert" und stattdessen Wirtschaftskrisen weiter verschärfe, sagte Brown. "Die großen Herausforderungen, die vor uns liegen, sind global."

Zugleich forderte der Premier im Kampf gegen die Wirtschaftskrise weltweite Zinssenkungen und Konjunkturprogramme. Die Finanzinstitute seinen inzwischen so vernetzt, dass eine "schlechte Bank die guten Banken" überall auf der Welt bedrohe. Die Staatengemeinschaft solle auch gemeinsam Steueroasen bekämpfen.

"Bankensektor bereinigen"

Bei einem Treffen mit US-Präsident Obama hatte Brown am Vorabend einen "globalen New Deal" zur Stabilisierung der Märkte vorgeschlagen. Die Welt müsse sich abstimmen, um "den Bankensektor zu bereinigen und zu säubern". Brown besucht als erster europäischer Regierungschef seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama die USA.

Die britische Königin Elizabeth II. will US-Senator Edward Kennedy (77) zum Ritter schlagen, wie Brown ebenfalls im Kongress mitteilte. Kennedy kann damit aber nicht den Titel "Sir" tragen, denn dieser ist Briten vorbehalten. Der populäre US-Senator leidet an einem bösartigen Gehirntumor. Der Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy und des ebenfalls bei einem Attentat ums Leben gekommenen Senator Robert Kennedy wurde im vergangenen Sommer operiert und wird seither mit Bestrahlungen behandelt. (APA/Reuters/dpa)

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    Der britische Premier Gordon Brown  vor dem US-Kongress: 

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    Premier Brown landete am späten Montagabend (Ortszeit) auf der verschneiten Andrews Air Force Base in Washington.

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