Opel ruft nach Staat und Schulterschluss in Europa

26. Februar 2009, 17:51
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Betriebsräte fordern einen europäischen Rettungsplan. In Aspern wird statt in zwei wieder in drei Schichten gearbeitet

Berlin/Wien/Detroit - Tausende Mitarbeiter von Opel demonstrierten am Donnerstag im deutschen Rüsselsheim für die Rettung ihres Unternehmens und ihrer Arbeitsplätze. "Opel muss bleiben, auch ohne GM", hieß es auf Plakaten, die eine Loslösung von der kriselnden Muttergesellschaft General Motors forderten. Es sei eine Lumperei, wenn Beschäftigte für strategische Fehlentscheidungen und Missmanagement die Zeche zahlten, sagte der IG-Metall-Chef Berthold Huber.

Huber forderte erneut ein eigenständiges Geschäftsmodell auf europäischer Ebene und öffentliche Finanzmittel. Es könne nicht sein, dass die Regierung 500 Mrd. Euro an Bürgschaften und mehr als 100 Mrd. an Kapital für Banken bereitstelle, aber für die Industrie "keinen müden Cent" aufbringe. Auch im GM-Motoren-Werk in Wien-Aspern nahmen 300 Arbeitnehmer an der Infoveranstaltung teil, sagte Europa-Betriebsrat Werner Engl. Das Werk am Stadtrand Wiens liefert 90 Prozent seiner Motoren und Getriebe an Opel und Vauxhall.

Es brauche ein europäisches Rettungskonzept, um die Schließung von Werken zu verhindern, forderte der Betriebsrat. Auch die österreichische Regierung und die Stadt Wien dürften die 1850 Beschäftigten bei GM-Aspern sowie Mitarbeiter der abhängigen Zulieferbetriebe nicht im Regen stehen lassen. Auch wenn das bedeute, sich von GM in den USA lösen zu müssen.

1500 der Asperner Beschäftigten arbeiten seit 19. Jänner kurz. Diese Regelung gilt bis 8. Mai. Doch seit Februar gibt es für den Motorenbau wieder mehr Aufträge. Grund sei stärkere Nachfrage nach kleineren, sparsamen Motoren, sagt Elisabeth Schuller von GM Powertrain Austria dem Standard. In Aspern werde daher statt in zwei wieder in drei Schichten gearbeitet. Produktionsfreie Tage habe es im Februar bisher nur zwei gegeben. Wie es mittelfristig weitergeht, ist freilich offen. Über die Zukunft der Wiener Fertigung soll in den kommenden Wochen entschieden werden. Die ums Überleben kämpfende Opel-Mutter GM hat 2008 mit 30,9 Mrd. Dollar den vierten Milliardenverlust in Folge eingefahren. Verluste allein im vierten Quartal: 9,6 Mrd.

Pleitewelle unter Zulieferern

In Deutschland droht laut einer Studie bis zu 80 Zulieferern die Insolvenz. 100.000 Jobs seien in Gefahr. Der Höhepunkt der Pleitewelle wird im März erwartet. Der insolvente schwedische Autohersteller Saab, eine GM-Tochter, hat die Produktion nach kurzer Pause neu aufgenommen. Probleme mit Lieferanten seien ausgeräumt worden.

Die raren guten Nachrichten aus der Branche: Volkswagen will seinen Autoabsatz in China bis 2018 auf zwei Mio. Fahrzeuge verdoppeln. Das Billigauto Nano des indischen Tata-Konzerns soll im April auf den Markt kommen. (APA, vk, DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2009)

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    Tausende Opel-Mitarbeiter demonstrierten am Donnerstag in Europa für ihren Arbeitsplatz. Sie wollen nicht für "strategische Fehlentscheidung des Managements" büßen.

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