Alle Familien sind verrückt

26. Februar 2009, 17:20
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Nicole Kidman in Noah Baumbachs "Margot at the Wedding" auf DVD

Der US-amerikanische Regisseur Noah Baumbach ist im deutschsprachigen Raum höchstens Eingeweihten ein Begriff. Verwunderlich ist das deshalb, weil seine Filme weder besonders marginal noch besonders erfolglos sind. Im Gegenteil handelte es sich bei seinem vorletzten Film "The Squid and the Whale" um einen veritablen Arthouse-Erfolg. Jeff Daniels und Laura Linney spielen darin ein intellektuelles Ehepaar im Brooklyn der 80er-Jahre, das im Streit auseinandergeht. Der Schwerpunkt des Films liegt jedoch auf den Kindern - zwei Brüdern, die auf die Eltern aufgeteilt werden. Mit viel Feingefühl partizipiert "The Squid and the Whale" an deren Sicht auf die verfahrenen Dinge und deckt die kleinen Verhaltensauffälligkeiten von Scheidungskindern auf, ohne sie je zu diffamieren.

"Margot at the Wedding", Baumbachs jüngste Arbeit, bewegt sich in einem vergleichbaren Milieu, wechselt aber auffällig die Tonart. Nicole Kidman - deren Mitwirkung sich allein ihrer Begeisterung für Baumbachs Autorenschaft verdankt - ist Margot, die gemeinsam mit ihrem Sohn Claude zur Hochzeit ihrer Schwester Pauline (Jennifer Jason Leigh) anreist. Was folgt, ist keineswegs der handelsübliche Großfamilienfilm samt Trauma und Erlösung, sondern eine filigrane, mehr an Filme von Eric Rohmer gemahnende Studie eingefahrener Beziehungsmuster. Margot toleriert kaum jemanden neben sich: Da ist es kein Wunder, dass sie Paulines Verlobten Malcolm (Jack Black), der am liebsten lange Leserbriefe schreibt, für einen jämmerlichen Versager hält. Baumbach macht es dem Zuschauer - anders als in "The Squid and the Whale" - hier ein wenig schwer, weil praktisch keine Figur richtig sympathisch ist. Ein jeder hat hier seine Defekte, und das Schöne daran ist, dass es dafür eigentlich keine Erklärung gibt. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.2.2009)

Paramount Home Entertainment, Region 2

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