Skyline am Donaukanal nimmt Gestalt an

25. Februar 2009, 20:39
133 Postings

Versicherungen und Banken lassen derzeit am Wiener Donaukanal Hochhäuser bauen - Kritik: Keine Gesamt-Zusammenschau

Versicherungen und Banken lassen derzeit am Wiener Donaukanal Hochhäuser bauen und gestalten so die innerstädtische Silhouette neu. Kritik gibt es aber auch – an der fehlenden "Gesamtzusammenschau" – Marijana Miljkoviæ

Wien – Ein 1600 Tonnen schweres Gerüst aus Stahl und Stahlbeton soll heute, Donnerstag, hydraulisch in über 30 Meter Höhe gehoben werden. Dann, wenn die Konstruktion auf dem bestehenden achtstöckigen Gebäude zum Ruhen kommt, werden darauf weitere zehn Stockwerke gebaut. Geplante Höhe: 75 Meter. Das Hotelgebäude in der Praterstraße 1 im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt nimmt Gestalt an – und damit auch die gesamte Skyline am Donaukanal.


Das Hochhaus, das die Uniqa-Versicherung gerade bauen lässt, soll in Kombination mit Hans Holleins Media-Tower auf der anderen Straßenseite ein Tor zur Leopoldstadt bilden. „Ein richtiges Tor ist es aber nicht", sagt Klaus Vatter von der MA 21A (Stadtteilplanung). Denn schließlich mussten die Sichtachsen eingehalten werden – in diesem Fall jene von der Praterstraße zum Stephansdom. Das Objekt, entworfen vom renommierten französischen Architekten Jean Nouvel, wird ein Fünf-Sterne-Hotel von Sofitel beherbergen. In den Untergeschoßen soll ein Einkaufszentrum für gehobenes Design einziehen. Kosten: 2,5 Millionen Euro.


Es ist aber nicht das einzige Hochhaus entlang des Donaukanals, das gerade gebaut wird. Wenige hundert Meter flussaufwärts sticht der derzeitige Firmensitz der Uniqa aus dem Stadtbild – unter anderem wegen der „Verfliesung" mit LED-Leuchten. Ab Herbst soll in der Oberen Donaustraße 87 ein weiteres Hochhaus entstehen. Bauen will es die Raiffeisen Holding NÖ-Wien. Das Bürohaus, ein Zubau zum Raiffeisen-Haus, soll dort stehen, wo sich derzeit noch das Opec-Gebäude befindet. Es soll 80 Meter hoch werden und orientiert sich laut Auftraggebern an dem Nouvel-Gebäude. Die Architekten Dieter Hayde und Ernst Maurer wollen hier – mit Fotovoltaik und Erdwärme – ein energieeffizientes „Vorzeige-Bürohaus" bauen.


Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ) begrüßt die „Komplettierung der Silhouette am Donaukanal". Die Häuser setzen Kontrapunkte zu den bekannten Bauwerken wie Raiffeisenhaus Wien und IBM-Gebäude. Ganz zufrieden sind im Wiener Rathaus aber nicht alle mit der neu entstehenden Skyline: „Es fehlt die Gesamtzusammenschau", sagt die grüne Planungssprecherin und Architektin Sabine Gretner. Es sei beispielsweise nicht geklärt, ob die Gebäude in eine Richtung schauen sollen. Vom Schwedenplatz aus gesehen habe man zwar einen guten Blick auf die Skyline, aber der Schwedenplatz selbst brauche dringend eine Neugestaltung. Da in der City aber gerade die Kärntner Straße neu gestaltet wird, bleibe dafür kein Geld.


Klaus Vatter entgegnet sarkastisch: „Nachdem es in Wien keine diktatorischen Instrumente gibt, sind Inszenierungen wie im Barock nicht möglich." Bestimmte Kriterien müssen alle Liegenschafteigentümer erfüllen: beispielsweise die Frage der Beschattung oder des sozialen und öffentlichen Nutzens eines solchen Gebäudes. Außerdem müssten die Objekte dem städtebaulichen Leitbild entsprechen. Beim Nouvel-Gebäude sei dies, laut Vatter, der Fall. (DER STANDARD Printausgabe 26.2.2009)

  • Hochhäuser am Wiener Stadtrand kennt man bereits - nun kommen sie auch in die City. Am Donaukanal wird bis 2010 ein Luxushotel gebaut (Bild), und auch flussaufwärts entstehen hohe Gebäude
    foto: standard/matthias cremer

    Hochhäuser am Wiener Stadtrand kennt man bereits - nun kommen sie auch in die City. Am Donaukanal wird bis 2010 ein Luxushotel gebaut (Bild), und auch flussaufwärts entstehen hohe Gebäude

Share if you care.