Währungskrise trifft Nerv der Industrie

25. Februar 2009, 17:50
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Abwertung der Währungen in Osteuropa lässt Erträge der Österreicher schmelzen

Wien - Hätte er das Ausmaß der aktuellen Währungskrise in Osteuropa vor Monaten prognostiziert, er wäre als ein Schwarzmaler abgetan worden, sagt Günter Thumser, Präsident von Henkel Central Eastern Europe. Mittlerweile sei das für absurd gehaltene eingetreten, und es werde für beachtlichen Stress sorgen. Einen bitteren Vorgeschmack brachte der Dezember: Henkel ha-be durch die Abwertung der Währungen im Osten in diesem einen Monat mehr eingebüßt als im gesamten vergangenen Jahr.

In Polen verlor der Zloty gegenüber dem Euro seit Juli um ein Drittel an Wert. Der ungarische Forint wurde um gut ein Viertel abgewertet, die tschechische Krone um ein Fünftel. Ähnlich stark brach auch der Rubel in Russland ein. Henkel lasse sich von seiner Ostexpansion nicht abbringen, man habe im Vorjahr Umsatz wie Gewinn gesteigert und sei gut gerüstet.
Die Lage sei dennoch kritisch, denn die Währungsverluste ließen sich nicht so leicht ausgleichen, sagt Thumser.
Um gegenzusteuern werde Henkel stärker in nationalen Währungen einkaufen und in Ländern mit massiver Abwertung die Preise erhöhen. Was den Konsum betrifft, sei die Stimmung in Nationen wie Polen, Russland und Serbien besser als im Westen. Die Leute ließen sich nicht so schnell entmutigen.

Die Währungskrise hält Konzerne, die große Standbeine im Osten aufbauten, in Atem. Auch internationale Riesen wie Coca-Cola können sich davon nicht abkoppeln. Unter Profiteinschnitten litten vor allem Abfüll- und Zulieferpartner, ist aus der Wiener Zentrale zu hören. Denn eingekauft werde zentral in Dollar oder Euro, verkauft freilich in der lokalen Währung.

Während Konzernmultis Verluste durch den globalen Vertrieb ausgleichen, tun sich kleinere Betriebe, die über der Grenze ihr Glück suchen, schwerer. Seine Tochterfirma in der Ukraine müsse nun für gleiche Ware um 80 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr, erzählt Peter Augendopler, Eigentümer von Backaldrin und Exporteur von Kornspitzen in den Osten.

Das gehe an die Substanz, reduziere die Margen. In zwei Monaten könne weg sein, was man in zwei Jahren verdient habe. Höhere Preise seien jedoch bei einem sensiblen Produkten wie dem Brot nicht so ohne weiteres drinnen. "Es ist jetzt nicht das Ende der Welt, wir sind weiter gut unterwegs. Aber jeder muss seine Lehren daraus ziehen", resümiert der Großbäcker.

Der Feuerwehrausstatter Rosenbauer hat 2008 ein Rekordergebnis erzielt. "Wir fakturieren in Euro wo es geht" , erklärt Konzernchef Julian Wagner. Im Osten sei künftig jedoch wohl mit geringerem Absatz zu rechnen, der Markt kühle sich ab. Mit dem Verfall der Währung sinke die Kauflust, ist Feinkosterzeuger Karl Schirnhofer überzeugt, der sich in Georgien engagiert. Die Leute kauften nicht nach Gewicht der Ware, sondern der Geldbörse. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.02.2009)

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