Nachfolger der Concorde sind in Arbeit

1. März 2009, 17:45
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Vom "Quiet Supersonic Transport" bis "Lapcat" gibt es verschiedene Projekte für zivile Überschallflugzeuge - doch alle müssen sich zwei Problemen stellen: Lärm und Kosten

Frankfurt/Main - Ein halbes Jahrzehnt nach der Ausmusterung der Concorde gibt es mehrere Projekte, wieder ein Überschallflugzeug für die zivile Luftfahrt zu bauen. Die Ingenieure legen dabei besonderes Augenmerk auf die beiden Schwachstellen des legendären französisch-britischen Jets: Lärm und hoher Verbrauch.

In den USA arbeitet das Unternehmen Aerion an einem zwölfsitzigen Businessjet (SBJ), der über Land effizient ganz knapp unter der Schallgrenze fliegen und über dem Meer bis zu Mach 1,6 (1.900 Stundenkilometer) erreichen kann - etwa doppelt so schnell wie aktuelle Linienflugzeuge. Die Betriebskosten sollen mit denen herkömmlicher Privatjets vergleichbar sein. Der SBJ soll sogar bis zu einer Geschwindigkeit von Mach 1,15 den gefürchteten Überschall-Knall am Boden vermeiden.

Auch Supersonic Aerospace International (SAI) setzt mit ihrem Quiet Supersonic Transport (QSST) setzt, wie der Name schon sagt, auf Lärmvermeidung: Die Konstrukteure haben ein besonderes V-Leitwerk entwickelt, dass den Knall beim Durchbrechen der Schallmauer im Vergleich zur Concorde um den Faktor 100 verringern soll. Das Unternehmen, das mit dem US-Konzern Lockheed Martin zusammenarbeitet, spricht wie Aerion davon, den exklusiven Privatjet Mitte des nächsten Jahrzehnts fertig zu haben. Auch der Flugzeugbauer Gulfstream hat Pläne für einen Quiet Supersonic Jet in der Schublade.

In Europa arbeiten zahlreiche Länder und Unternehmen im Auftrag der EU unter der Führung von Dassault an einer Machbarkeitsstudie für einen Überschall-Jet (HISAC). Boeing entwickelt mit der US-Raumfahrtbehörde NASA Studien zu Überschallflugzeugen, die aber erst in drei Jahrzehnten in Dienst gestellt werden könnten. Da sind die Japaner schon ein bisschen weiter, sie hoffen auf den Bau eines superschnellen Flugzeugs bis 2020.

Die Europäische Luftfahrtagentur ESA lässt derzeit Ingenieure vom ganz großen Wurf träumen: Im Rahmen des Projekts Lapcat wird über große Flugzeuge nachgedacht, die Geschwindigkeiten von Mach 5 oder sogar Mach 8 (9.600 Stundenkilometer) erreichen könnten. "Hauptprobleme sind der Antrieb und die enorme Aufheizung", sagt Patrick Gruhn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Ein solcher europäischer Concorde-Nachfolger, der sogar länger wäre als der Airbus-Superjumbo A380, ist ferne Zukunftsmusik. "Der Bau eines Mach-5-Flugzeugs wäre in 25 Jahren möglich - wenn jetzt viel Geld investiert würde", sagt DLR-Ingenieur Gruhn. (APA/AP/red)

  • Im Rahmen des Lapcat-Projekts erstellter Entwurf für ein ziviles Überschallflugzeug
    foto: reaction engines limited

    Im Rahmen des Lapcat-Projekts erstellter Entwurf für ein ziviles Überschallflugzeug

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