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Der Surrealist und ewige Spaziergänger

25. Februar 2009, 18:13
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Bogdan Bogdanović wirkte nicht nur als Bauherr sondern auch als Lehrer und Schriftsteller

Nach seinem Architekturstudium unterrichtete Bogdan Bogdanović 35 Jahre lang an der architektonischen Fakultät der Universität Belgrad und rief schon bald nach Amtsantritt das Unterrichtsfach Urbanologie ins Leben.

Nicht bloß der Städtebau, sondern auch der Ursprung und die Metaphysik der Stadt, standen dabei im Mittelpunkt. In den 70er Jahren ging er noch einen Schritt weiter und gründete die „Dorfschule für Philosophie der Architektur" in der Nähe von Belgrad, wo er alternative Workshops und Kurse leitete. Nicht zuletzt in diesem Zusammenhang darf er als „Architekturesotheriker oder -philosoph" bezeichnet werden.

Friedrich Achleitner nannte Bogdanović anlässlich dessen 80. Geburtstags bei der Laudatio einen „Geschichtenerzähler und Schriftsteller von hohen Graden".
Bogdanović, der bereits in jungen Jahren mehr konnte als Zeichnen und Planen, wuchs in einem Elternhaus auf, in dem das geschriebene Wort einen überaus hohen Stellenwert hatte. Er begann daher bald als Theoretiker zu arbeiten und schrieb eine Reihe von Architekturbüchern. In seinem ersten Werk „Der kleine Urbanismus" aus dem Jahr 1958, stellte er die Perspektive des Einzelnen als Maßstab aller städtebaulichen Eingriffe dar.

Es ging ihm generell um die Schaffung einer Architektur, die der Sprache entspringen würde: „Ich schrieb, um bauen zu können und baute, um schreiben zu können", sagte der Architekt der Erinnerungen.

Als Autor rechnet Bogdanović, der seit 1993 im Wiener Exil lebt, in seinen kulturkritischen Essays mit dem Stalinismus ab. In den Texten zum Städtebau spürt er mit Poesie der Stadt als Metapher und Abbild des Menschen nach und schuf damit neue Lesarten von Architektur als Ausgangspunkt für ästhetisch-theoretische, historische und philosophische Reflexionen.

 

 

  • Partisanennekropole, kosmologischer Kreis (1965)Mostar, Bosnien-Herzegowina
    foto: architekturzentrum wien

    Partisanennekropole, kosmologischer Kreis (1965)
    Mostar, Bosnien-Herzegowina

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